Wie Staub zu neuem Leben wird

„Das hätte ich nicht erwartet!“ Wolfgang Stöcker ist ganz überwältigt, von den Hinterlassenschaften, die im Raum 13 auf ganz eigene Art und Weise erhalten geblieben sind. Anja Kolarcek und Marc Leßle sind die Hüter eines Schatzes, den Wolfgang jetzt mit seiner speziellen Herangehensweise noch einmal neu zu heben scheint. Wir Herbergsmütter sehen beglückt zu, wie sich hier eine wunderbare Freundschaft anzubahnen beginnt. Weiterlesen

Die Welt im Staubrausch (nun, ein Teil der Welt)

Wollmäuse, überall Wollmäuse!

Der Staubrausch hat Deutschland erfasst, erste Ausläufer sind in den Niederlanden und in Österreich zu finden. Höchste Zeit, kurz beim Staubwirbeln innezuhalten.

Aus dem Staubarchiv von Wolfgang Stöcker

Mikel treibt die Sehnsucht nach Staub. Ein Gedicht. Und ein ernsthaftes Anliegen im leichten Gewand.

Susanne Gurschler funkt uns aus Innsbruck Bilder ihrer Wollmäuse und die Dokumentation ihrer Bergung zu: Staubrausch für alle in ihrem Blog.

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Staubrausch für alle!

Köln, 10.07.2019. Es ist ein sonniger Tag. Ihr Schein wirft Schatten durch die Vorhänge. Die Atmosphäre des Raums ruhig, ein freundliches Fast-Durcheinander. Auf dem rötlich schimmernden Dielenboden steht ein Schrank aus mittelbraunem Holz. Darunter Staubpartikel und Flusen. Zusammen ergeben sie eine kapitale Wollmaus. Entnommen um 13:21 Uhr.

Es ist wieder soweit: Wir erklären die Entfernung von Staub und Schmutz, landläufig Putzen genannt, zur Kunst und machen aus Wollmäusen wertvolles Archivmaterial. Wir sind im Staubrausch. Und laden Euch ein, Euch ihm ebenfalls hinzugeben. Dem Staub. Dem Rausch.

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Staub ist Zivilisation: Das Internationale Staubarchiv

Welches Verhältnis hast Du persönlich zu Staub?
Ein liebevoll bis dramatisches Verhältnis.

(Wolfgang Stöcker im Interview mit Ute im März 2015)

Ein Gastbeitrag von Wolfgang Stöcker über sein Staubarchiv, Sinn und Unsinn und warum Staub kulturbildend ist.

Am Samstag, den 13. Juli, werden wir mit ihm eine Staubexpedition auf einem ehemaligen Indurstriegelände in Köln-Deutz im raum13 unternehmen. Unter #Staubrausch werden wir diese Staubvermessung bei Twitter und Instagram dokumentieren.

2004 in Köln zunächst als Deutsches Staubarchiv gegründet, wurde das Projekt Anfang 2019 in Internationales Staubarchiv umbenannt. Rund 600 Proben lagern zur Zeit in den Beständen. Sie sind unterteilt in: Sakrale Stäube / Politische Stäube / Kulturstaub / Naturraumstaub / Kulinarische Stäube / Musikalische Stäube.

Alles kann verstauben

Das Archiv dokumentiert die Anwesenheit von Staub an Orten der „hohen Bedeutungen“. Architekturen oder einzelne Werke der bildenden Kunst vermitteln „das Bedeutende“ schon fast als eine vom Menschen abgekoppelte, autonome Größe. Dabei dürfte spätestens in den Katastrophen des 20. Jahrhunderts klar geworden sein, wie sehr Bedeutungen, Werte, Gewissheiten und vermeintlich sichere Punkte menschlicher Kultur und Zivilisation in den Abgrund gerissen werden können.

Der Staub ist ein Mahner für mögliche Schrecken und vor diesem Hintergrund eine ins Positive gerichtete Kraft. Alles kann verstauben. Nicht nur materielle Kunst- und Kulturgüter, nein vielmehr Immaterielles, die zahlreichen Ausformungen unterschiedlicher Gesellschaftsformen können vergehen, weshalb Pflege und eine liebevolle Hinwendung zu den Dingen notwendig ist. Kehren ist ehren!

Staub ein Motor für Kultur

Die permanent empfundene Realität eines möglichen Verfalls, symbolisiert durch den chaotischen Staub, ist eine starke Motivation für pflegende Maßnahmen. So ist Staub ein Motor für Kultur, denn Kultur bedeutet Pflege. Kehren und Wischen sind Kulturtechniken, und am Anfang steht der Staub. Er ist ein Material des Übergangs, Beginn und Ende zugleich, ein kraftvoller Basisstoff, der uns täglich die Illusion des staubfreien Moments zerstört.

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Im Staubrausch

Es begann mit einer Wollmaus. Vor vier Jahren geriet einer von uns ein Artikel über Klaus Pichlers Fotoprojekt DUST in die Finger. Damals nahte der Frühling. Hellere Tage folgten auf das Winterdunkel. Die Sonne griff mit immer lichteren Fingern in die Wohnungen und brachte Staub, Spinnweben und Wollmäuse zum Glitzern.

Wollmaus

Einfach wegputzen? Nicht doch:

Was wir mehr oder weniger regelmäßig wegputzen, sind die Spuren unseres Lebens. Jeder Schmutz, jeder Staub ist anders. Wenn man mal näher hinschaut, öffnet sich ein faszinierendes Universum.

Damals riefen wir zum #Kunstputz. Anke griff zum Putzeimer in der Kunst, Ute stellte Kontakt zum Staubarchivar und Künstler Wolfgang Stöcker her und es kam zu einer Staubführung am Kölner Dom mitsamt Entnahme sakraler Stäube.

Und so zuverlässig, wie sich Staub schon gleich nach dem letzten Wischen, wie sich die Wollmäuse nach dem letzten Putzen getreulich wieder einstellen, so ließ uns das mit dem Staub nicht gänzlich los.

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Die Kunst des Putzens − Putzen als Kunst #kunstputz

Unsere Passion ist der Perspektivwechsel. Das Leben wird gleich nochmal aufregender und knallbunter, wenn man sich von den vermeintlichen Banalitäten des Alltags immer wieder neu faszinieren lässt. Nicht selbstverständlich nehmen, Gewohntes hinterfragen − das ist eine wesentliche Aufgabe (oder Eigenart?) von Kunst.

Nebenbei, wofür war Kunst nochmal gut?

tod

Gut, also. Die Idee für Kunstputz ist eine dieser Ideen, die aus dem Nichts zu kommen scheinen. Man sieht etwas (in diesem Fall einen Artikel über die Wollmaus-Fotos von Klaus Pichler), klatscht in die Hände − und schwupp, gibt es einen Termin für einen Tag, an dem gemeinsam geputzt wird. So zumindest der Grundgedanke. Wie bei dieser Sorte von Ideen üblich, verselbständigte sich die Angelegenheit. Der kreative Geist der Herbergsmütter kam über den Staub … Weiterlesen

So werdet Ihr zum Staubscout! Eine Anleitung für #kunstputz

Am 21. März 2015 ist es soweit: wir erklären Putzen zu Kunst und machen aus Wollmäusen wertvolles Archivmaterial.

So könnt Ihr mitmachen:

1. Macht ein Foto oder ein Video von Eurem Staub, Euren Wollmäusen oder Euren Putzutensilien. Oder von Euch beim Putzen!

Serviervorschlag: Anke beim #kunstputz

2. Postet dieses Foto oder Video mit dem Hashtag #kunstputz bei Twitter, Instagram oder Vine. Wenn Ihr bloggt oder youtubet, gebt uns Bescheid und benutzt bitte auch den Hashtag. Da Hashtags bei Facebook nicht verläßlich funktionieren, markiert uns oder eine von uns bitte, damit wir Eure (öffentlichen) Beiträge finden. Wir sammeln alle öffentlichen Beiträge nach dem Wochenende ein und erstellen eine Dokumentation.

(Serviervorschlag: Ute macht #kunstputz)

3. Wenn Ihr in Köln seid, habt Ihr die seltene Gelegenheit zu einer Staubführung mit dem Leiter des Deutschen Staubarchivs, Wolfgang Stöcker. Samstag, den 21.3. um 15 Uhr, Anmeldung erbeten (per Mail, per Twitter oder auf Facebook), Kostenbeitrag 5€.

4. Wenn Ihr Teil einer Kulturinstitution, Kulturarbeiter oder Künstler seid, könnt Ihr Eure Wollmäuse der Sammlung der weltweit gesammelten Stäube hinzuzufügen. Übrigens nicht nur die Stäube vom 21. März, sondern durchaus auch künftige Stäube.

»Der Staub ist ein schönes Sammelobjekt, es ist nutzlos«, sagte Wolfgang Stöcker vom Deutschen Staubarchiv im Interview mit Herbergsmutter Ute. »Über den Staub kann man wunderbar in eine Kulturdiskussion einsteigen. Kurz: Was machen wir sauber? Was nicht? Was schätzen wir wert? Was nicht?« Weiterlesen

#kunstputz mit dem Deutschen Staubarchiv

Am 21. März begeben wir uns mit dem Deutschen Staubarchiv auf eine Staubführung in Köln. Ute hat das Deutsch Staubarchiv vorab besucht und mit dem Initiator und Gründer Wolfgang Stöcker ein anregendes Gespräch über Staub geführt.

Wann hast Du das Deutsche Staubarchiv gegründet und wie kam es dazu?
2004 ging es los, die erste Probe stammt aus dem Dom von Köln. Wie es dazu kam? Nun, ein Sammler war ich schon immer. Ich hatte auch schon einmal den Gedanken gefasst, eine Spinnwebensammlung zu eröffnen. Dazu ist es nie gekommen. Sehr inspiriert hat mich die Sammelleidenschaft meiner Großmutter! Sie sammelte unter anderem Zuckerklümpchen! Zudem studierte ich Geschichte und habe so eine Verbindung zu Archiven.
Der Staub ist ein schönes Sammelobjekt, es ist nutzlos. Die Kombination mit „bedeutenden“ Bauten, das hat mich fasziniert, der Reiz zwischen Bedeutung und Bedeutungslosigkeit. Über den Staub kann man wunderbar in eine Kulturdiskussion einsteigen. Kurz: Was machen wir sauber? Was nicht? Was schätzen wir wert? Was nicht?

Wolfgang Stöcker | Deutsches Staubarchiv

Wolfgang Stöcker | Deutsches Staubarchiv

Was ist der aktuellste Staub im Archiv?
Das war Staub aus dem Geburtshaus von Wilhelm Busch, der ist vor ungefähr zehn Tagen gekommen.  Etwas vorher habe ich Staub vom Uluru (Ayers Rock) bekommen. Er ist für die Aborigines ein heiliger Berg und der Staub wurde unten, in seiner Nähe gesammelt.

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Aktionen zum #kunstputz am 21. März 2015

Domschatzkammer Köln

Foto: Elke Wetzig

Der 21. März wurde von uns zum Tag des #kunstputz deklariert. Wir werden mit Wolfgang Stöcker, Gründer und Initiator des Deutschen Staubarchivs eine Staubführung in Köln machen. Wir treffen uns um 15 Uhr an der goldenene Stele der Domschatzkammer (Nordseite des Doms)

Ergründen wir den neuesten Kölner Baustellenkosmos! Wir werden Stellen von Mikroerosion ansteuern und dem Staub näher kommen. Philosophie der Baustelle, Schönheit der Baustelle, Archäologie des Straßenpflasters und neue Trends im Kölner Stadtbild! Es lebe die Schönheit!

Die Teilnahme kostet 5 EUR, die vor Ort zu entrichten sind. Bitte meldet Euch an – per Mail, per Twitter oder auf Facebook –  damit wir ungefähr wissen, wie groß die Putzkolonne wird.
(Fall es in Strömen regnen sollte, geben wir rechtzeitig eine Alternative bekannt)

Ein Interview mit Wolfgang Stöcker haben wir hier geführt.

Seit dem 1.3. führen wir eine #kunstputzplaylist auf Facebook und Twitter, die wir hier fortlaufend weiterführen. Beteiligt Euch gerne!

Ausserdem möchten wir wissen wie Eurer Kunstputz aussieht. Schickt uns Bilder, Texte, Links und taggt mit #kunstputz. Lasst uns am 21. März ordentlich Staub aufwirbeln.

 

Der Putzeimer in der Kunst

pieterdehoochBesen

Ein nachlässig hingeworfenes Tuch, dahinter ein schräg gestellter Besen. Gegenüber ein hölzerner Putzeimer. Wer im Wallraf-Richartz-Museum vor dem Bild „Ein Paar mit einem Papagei“ (Pieter de Hooch) steht, wird automatisch zum Voyeur. In einem Zimmer spielen sich reichlich anzügliche Geschichten ab. Wer einigermaßen bewandert im Volksmund ist, der kapiert das sofort. Denn „über den Besen verheiratet sein“ bedeutet: eine Affäre haben. Der aufgerichtete Besen – man kann in ihm auch ein Phallus-Symbol erkennen.

Im Rahmen unserer #kunstputz Aktion haben wir unseren Radar auf alles eingestellt, was mit Putzen, Putzutensilien, Reinigen, Staub im weitesten Sinne zu tun hat. Selbstverständlich schauten wir auch in der Kunst nach. Spontan fällt ja jedem dazu die legendäre Fettecke ein oder die Beuyssche Badewanne, die eine eifrige Putzfrau sauber schrubbte. Aber wie ist das mit dem Motiv Putzen? Ist das relevant in der Kunst?

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