Staubrausch für alle!

Köln, 10.07.2019. Es ist ein sonniger Tag. Ihr Schein wirft Schatten durch die Vorhänge. Die Atmosphäre des Raums ruhig, ein freundliches Fast-Durcheinander. Auf dem rötlich schimmernden Dielenboden steht ein Schrank aus mittelbraunem Holz. Darunter Staubpartikel und Flusen. Zusammen ergeben sie eine kapitale Wollmaus. Entnommen um 13:21 Uhr.

Es ist wieder soweit: Wir erklären die Entfernung von Staub und Schmutz, landläufig Putzen genannt, zur Kunst und machen aus Wollmäusen wertvolles Archivmaterial. Wir sind im Staubrausch. Und laden Euch ein, Euch ihm ebenfalls hinzugeben. Dem Staub. Dem Rausch.

Uns es geht nicht ums Großreinemachen. Zivilisation ist vielleicht Kehren, so Staubarchivar und Künstler Wolfgang Stöcker. Er archiviert Staub, analysiert ihn, ordnet ihn ein und dokumentiert akribisch, unter welchen Bedingungen der Staub entnommen wurde.

So könnt Ihr mitmachen:

1. Macht ein Foto oder ein Video von Eurem Staub, Euren Wollmäusen oder Euren Putzutensilien. Oder von Euch beim Putzen, ahem, der Staubentnahme, natürlich.

2. Dokumentiert, unter welchen Bedingungen Ihr den Staub, die Fluse oder die Wollmaus entnommen habt: Eure Stimmung, die Beschaffenheit des Bodens, die Atmosphäre des Raumes, die Akustik des Raumes, die vorgefundenen Partikel und ihr Zustand.

3. Postet dieses Foto oder Video nebst Dokumentation mit dem Hashtag #staubrausch bei Twitter oder Instagram. Nach dem 13. Juli sammeln wir und dokumentieren Eure Beiträge im Blog.

#Staubrausch bei Twitter
#Staubrausch bei Instagram

3. Wenn Ihr Teil einer Kulturinstitution, Kulturarbeiter oder Künstler*in seid, könnt Ihr Eure Wollmäuse dem Archiv weltweit gesammelter Stäube hinzuzufügen. Übrigens nicht nur die Stäube dieser Woche, sondern durchaus auch künftige Stäube.

5. Erzählt anderen vom #staubrausch und ladet sie dazu ein.

Werdet Staubscouts fürs Internationale Staubarchiv

»Der Staub ist ein schönes Sammelobjekt, es ist nutzlos«, sagte Wolfgang Stöcker vom Internationalen Staubarchiv im Interview mit Ute. »Über den Staub kann man wunderbar in eine Kulturdiskussion einsteigen. Kurz: Was machen wir sauber? Was nicht? Was schätzen wir wert? Was nicht?«

Das Internationale Staubarchiv sammelt in unterschiedlichen Kategorien:

  • Sakrale Stäube aus Kapellen, Kirchen, Pfarrämtern, Klöstern und Kathedralen,
  • Kulturstäube aus Museen, Bibliotheken, Verlagen, Opernhäusern, Theatern und Archiven, aus Geburtshäusern oder Wirkungsstätten von Autor*innen und Literat*innen,
  • Politische Stäube von Orten jedweder politischer Macht, etwa aus Rathäusern, Regierungsgebäuden oder Politikerhaushalten,
  • Kulinarische Stäube, vorzugsweise aus Weinkellern, aber auch anderen Orten des Genusses,
  • Naturraumstäube aus Wüsten, Nationalparks, von Bergen, berühmten Stränden und Kulturlandschaften,
  • Musikalische Stäube aus Geigenkästen, Opernhäusern, Philharmonien, Konzertsälen und Probenräumen.
  • Jeder Kulturstaub ist willkommen!

Staubentnahme im Museum Ludwig, Köln, 31-3-2017

Tütet Euren Staub gut ein, macht ein Foto von der Stelle, wo er entnommen wurde oder/und beschreibt sie und schickt das ganze an:

Internationales Staubarchiv
Dr. Wolfgang Stöcker
Am Fliederbusch 21
50827 Köln

Am 13. Juli werden wir hier in Köln eine Staubexpedition in einem ehemaligen Industriegemäuer machen und unter #staubrausch bei Twitter und Instagram dokumentieren. Vorab werden wir Staubexpeditionen und -entnahmen in unseren Wohnungen dokumentieren.

Hier eine Wollmaus, die vor einer Weile entnommen wurde:

Organisch gewachsen unter einem Stuhlbein in einem Haushalt im Kölner Agnesviertel, entnommen mit einem Anflug von Putzscham am 15.5.2019. (Stamen von einer Pfingstrose, rosa Federplüsch, Haare, undefinierbarer Haushaltsstaub. Ich erkenne auch noch einen Hauch von grünem Federplüsch (Alaaf!) und eine Pflanzenfaser. Gras?)

Wollmaus

 

 

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