Was der Ort mit einem macht … Simonskall, die Kalltalgemeinschaft und die Idee der Bauhütte 2019

Nun reiht sich noch die dritte Perspektive auf die Bauhütte Simonskall ein. Eine ganze Woche haben hier zahlreiche Kreative zur sogenannten Kalltalgemeinschaft gearbeitet. Ein spannendes Projekt, das von der Moderne im Rheinland veranstaltet wurde. Ute hat in ihrem Beitrag schon einige Fragen zum Weiterdenken aufgeworfen und Wibke schrieb über den Geist des Ortes – früher und heute. Ich (Anke) war am Donnerstag der Bauhütten-Woche in Simonskall. Ein Tag, der ganz im Zeichen der Landschaft und der örtlichen Gegebenheiten dieses kleinen Eifeltal stand

Nachdem die „Moderne im Rheinland“ 2014 schon einmal ein Kolloquium zur „Würde der Landschaft“ in Simonskall veranstaltet hatte, gab es nun im Rahmen der Bauhütte eine Fortsetzung mit dem Symposium „Utopien der Landschaft“. Dazu waren neben Künstlerinnen und Künstlern auch die Landschaftsexperten (Prof. Johannes Brunner (Alanus Hochschule, Alfter und August Forster, Garten- und Landschaftsbau) eingeladen.  Weiterlesen

Utes Tag bei der Bauhütte 2019 in Simonskall

Wibke hat schon ausführlich den Kontext und die Hintergründe zur bauhütte 2019 beschrieben. Ich habe den ganzen Mittwoch dort verbracht und in meinem Kopf surrt es immer noch.

Versuch einer Sortierung:

Ich startete bei herrlichstem Wetter in der Marienkapelle und platzte mitten in eine Vokalimprovisation. Wunderbar. In der Akustik einer Kirche klingt immer alles gut und Mehrstimmiges sowieso. Nach der dritten Impro habe ich gleich mal mitgemacht. Da Singen und Summen eh glücklich macht, war es der perfekte Auftakt für den Tag.

Danach schaute ich in Junkerhaus, wo die Workshops von Antiform stattfanden, um zu gucken, was die Kids dort machten. Das Haus war ein Hort der Kreativität. Es ist absolut fabelhaft zu sehen, was dort produziert wurde: utopische Entwürfe für Wohnhäuser, Plakate, Streetart, Druckwerkstatt. Ich bekam gleich große Lust, mitzumachen.

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Kunst, Leben, Utopie: Die Bauhüttenwoche in Simonskall in der Eifel

Ein weiter Blick übers Land. Die Eifel. In der Ferne das Braunkohlerevier und die Kohlekraftwerke. Irgendwo weiter östlich erahnt man Köln. Dann geht es durch die Wälder und an den Soldatenfriedhöfen die Serpentinen hinab ins Tal der Kall. Hürtgenwald. Vieles hier erinnert an die Kämpfe im Zweiten Weltkrieg, die zu den schwersten überhaupt gezählt werden. Inzwischen wird die Gegend vor allem von Tourist*innen und Radfahrer*innen geschätzt. Simonskall, das Ziel meiner Reise, zeugt hiervon: Wiewohl aktuell nur 36 Einwohner*innen gibt es hier überraschend viele Gasthöfe, Cafés, Pensionen und Hotels. Der Nationalpark Eifel ist nicht weit und es gibt ein gut ausgewiesenes Wanderwegenetz. Und es gibt ein Haus des Gastes, die Touristeninformation. Das ist deshalb interessant, weil diese im Junkerhaus zu finden ist.

Das Junkerhaus, Simonskall und die Kalltalgemeinschaft

Junkerhaus in Simonskall

Das Junkerhaus steht unter Denkmalschutz und wurde um 1608 erbaut. 1919 wurde es zum Genius Loci der Kalltalgemeinschaft. Eine Gruppe von Intellektuellen, Schriftsteller*innen und Künstler*innen schuf sich dort einen Ort, um miteinander zu arbeiten, zu denken, zu schreiben, zu lesen – oder einfach in den Himmel zu gucken. Nun, man war jung und hatte Schlimmes hinter sich, natürlich wurde auch dem Alkohol zugesprochen und, nun, man kam sich näher.

Insbesondere in diesem Jahr sprechen alle vom Bauhaus. Aber es ist hochinteressant, wieviele Künstlergemeinschaften sich in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg fanden. Da lag etwas in der Luft.

An dieser Stelle eine warme Empfehlung für die frisch gelaunchte Website zur Kalltalgemeinschaft, wo man sich gut einlesen kann. Schön auch die Ton- und Bilddokumente. Eine Selbstverständlichkeit sind auch die gut lesbaren Texte nicht. Da spürt man, dass Menschen mit Überzeugung und dem Wunsch, sich mitzuteilen und anderen verständlich zu machen, beteiligt waren. Einige davon saßen gestern Abend in der Talschenke in Simonskall und erzählten über die Zeit, über die Menschen der Kalltalgemeinschaft und den Ort. Doch ich greife vor.

Vor hundert Jahren also wurde ein Haus in einem von Armut geprägten Dorf in der tiefsten Eifel zu einem Ort für Kunst, Literatur, Philosopie und Gesprächen über Utopien.

Wie wollen wir leben? Welche Welt wünschen wir uns?

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Hoch empor: Eine Reise durch Ostfriesland zu den Orgeln der Schnitgerzeit

Der Bus füllte sich rasch. Etwa fünfzig Menschen trafen sich an einem sommerwarmen Samstagmorgen im Organeum von Weener: Orgelexkursion durch Ostfriesland!

Arp Schnitger und seine Zeit: Die Orgelexkursion, das Organeum und Winfried Dahlke

Die Orgelexkursion war eine von mehreren Exkursionen anlässlich des 300. Todestags von Arp Schnitger. Über seine Bedeutung schrieb ich kürzlich hier etwas. Auch auf den Text von Christian Spließ über die Geschichte der Orgel von Renaissance bis Neuzeit weise ich gern hin.

Dreh- und Angelpunkt der Orgelexkursionen ist das Organeum Weener. Das Organeum in Weener ist ein Orgelmuseum und wird von der Stiftung der Ostfriesischen Landschaft, der Evangelisch-reformierten Kirche und der Stadt Weener in Kooperation getragen. Gelegen in der reichen Orgellandschaft Ostfrieslands geht es vom Organeum aus öfter auf Tour. Musikalische Führungen und Konzertreihen bringen den Menschen die Orgeln und die Orgelmusik näher.

Künstlerischer Leiter des Organeums ist – neben seiner Tätigkeit als Landeskirchenmusikdirektor – Winfried Dahlke, der unsere Orgelexkursion an ebenjenem Samstag fachkundig begleitete.

Ihn trafen wir an vier Kirchen, in denen Orgeln der Schnitger-Zeit zu finden sind, erbaut von den Zeitgenossen des berühmten Orgelbauers. Von Arp Schnitger selbst sind nur noch wenige Orgel erhalten, etwa 30 von einstmals 170 Instrumenten, darunter eine in Norden und eine in Weener. Der Einfluss Arp Schnitgers war jedoch immens. Der Fokus unserer Exkursion lag daher auf Orgeln seiner Zeit, die von diesem Einfluss zeugen.

Begleitet wurde unsere Bustour ganz handfest von Frau Moenikes und Herrn Hebisch vom Förderverein des Organeums. Herr Hebisch lässt ausrichten, dass es derzeit eine sehr gute Reihe im NDR Kultur gibt: In zwölf Folgen durch Norddeutschlands Orgellandschaft.

Mit unserem Busfahrer Manni ging es los nach Buttforde, Dornum, Hohenkirchen und Bockhorn. Die Besuche sind nicht ganz einfach zu planen, denn natürlich durften zeitgleich etwa keine Hochzeiten sein. Und so fuhren wir ein wenig Zickzack. Das weite, struppige und immer etwas ungekämmt wirkende ostfriesische Binnenland lag im Sonnenschein. Wir fuhren durch hübsche Dörfer und Orte in Backsteinrot. Rot waren auch die Kirchen.

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Hoch empor: Arp Schnitger und eine Orgelexkursion

Arp Schnitger – schon allein sein Name klingt. Der Orgelbaumeister war über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Halb Europa wollte eine Orgel von ihm, Komponisten von Weltruf reisten nach Hamburg, um die größten Orgeln ihrer Zeit zu sehen und vor allem zu hören. Ihr Klang gilt als einzigartig und stilbildend.

Das ist nun über drei Jahrhunderte her. Drei Jahrhunderte. Was für ein Zeitraum. Drei Jahrhunderte mit Kriegen und Friedensschlüssen, umwälzenden Erfindungen und erschütternden Katastrophen, kleinen und großen Geschichten der Menschen und der Menschheit. Heute sind noch dreißig von 170 Orgeln aus den Werkstätten Arp Schnitgers erhalten, zwanzig davon in Niedersachsen.

Vor 300 Jahren, im Jahr 1719, starb Arp Schnitger. Er betrieb Werkstätten in Hamburg, Stade, Bremen, Groningen, Lübeck, Magdeburg und Berlin. Seine Orgeln fanden ihren Weg über die See bis nach Russland, England, Spanien, Portugal und Brasilien. In Hamburg baute er 1682 für die St.-Nikolai-Kirche die damals größte Orgel der Welt. Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach reisten damals nach Hamburg, um Schnitgers Orgel zu erleben.

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Zwischen Politik und Poesie: Haltung & Fall

Ich steige die Stufen hoch, drehe mich um, breite die Arme aus, atme aus, atme ein – und lasse mich rückwärts fallen.Ist die Kunst frei?

Haltung und Fall. Das Marta Herford widmet sich einem Begriffspaar, das es in sich hat. Haltung beziehen, Haltung einnehmen, Haltungen überprüfen: Was ist Haltung eigentlich? Wie ist meine Haltung zu gesellschaftlichen Fragen, zu politischen Entscheidungen, zu globalen Entwicklungen?

Haltung. Halte ich mich gerade, wanke ich, falle ich, finde ich meine Balance? Wer zu starr steht, fällt leichter um. Es gilt also, beständig die eigene Haltung zu prüfen, locker zu bleiben, ein Gleichgewicht zwischen Spannung und Entspannung zu finden.

An dieser Stelle möchte ich ein Lob aussprechen für die mehrteiligen Publikationen des Marta Herford zur Ausstellung. Sie sind handlich, schön gemacht, in sich schlüssig – und vor allem stinken sie nicht. Letzteres ist bei Ausstellungskatalogen leider oft ein Problem für sensible Nasen.

Im Essay-Band schreibt Kuratorin Ann Kristin Kreisel von der Vielschichtigkeit der Begriffe Haltung und Fall: Ikarus‘ Sturz vom Himmel als Sinnbild des Scheitern, das Scheitern als Möglichkeit eines Neubeginns, die gesellschaftlichen Spannungen weltweit, der Ruf nach Haltung und das Einbeziehen des Körpers, das Ringen mit der Welt.

„Jenseits von Sprache oder Schrift avanciert der Körper zum inmittelbaren Ausdrucksträger künstlerischer Vorstellungen. […] Die körperliche Präsenz wird dabei zur Haltung, zur Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs, bis hin zur politischen Handlung, zur Körperpolitik.”

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Lauschpöhle: Geschichten aus dem Bauernland zum Kurbeln

„Kurbeln! Du musst kurbeln! Länger!“

Im Schmallenberger Sauerland ist Handarbeit gefragt: 20 Säulen mit Hörstationen sind im Bauernland am Rande von Wanderwegen verteilt. Das Bauernland umfasst siebzehn Dörfer und ist zugleich der Name des Heimat-und Verkehrsvereins, der dieses Projekt geplant und umgesetzt hat. Katja Lutter und Andre Voss vom Heimat- und Verkehrsverein Bauernland haben sich für Konzeption und Umsetzung der Hörgeschichten Britta Freith an die Seite geholt. Durch Britta wurde ich, Wibke, bei Twitter auf das Projekt aufmerksam – und merkte auf: Sauerland (Heimat, woll?!), Wandern, Geschichten und das von und mit Britta? Da muss ich hin.

Britta Freith lernte ich vor Jahren als Autorin kennen, dann folgten wir uns bei Twitter und sonst auch überall, ich folge ihr regelmäßig in ihren Insta-Storys in den Garten und mag einfach, was sie tut. Und wie sie es tut. Etwa nochmal zu studieren. Britta Freith blickt auf einen der Lauschpöhle

Und so fuhr ich ins Hochsauerland, um am 19. Juni der offiziellen Eröffnung der Lauschpöhle in Wormbach beizuwohnen. Ich schrieb vom Sauerland als Heimat, aber das stimmt nur halb: Das Sauerland, in dem ich aufwuchs, ist etwa siebzig Kilometer vom Hochsauerland entfernt. Ich fand es demnach in gewisser Weise aufregend, dorthin zu reisen. Die Fremde, ganz nah.

Zutaten für gute Projekte: Offenheit, Neugier, Kreativität – und Zeit

Geschichten verbinden, klar. Weiß man, kennt man, sagt jeder, steht so oder so ähnlich in jedem Storytelling-Handbuch. Jeder von uns kennt vermutlich auch genügend Projekte, die in der Theorie gut klingen, die vielleicht dann auch gefördert werden – und am Ende sind sie fertig, es gibt eine Pressemitteilung, ein, zwei Artkel erscheinen, das Projekt macht sich nett im Jahresbericht, das war’s.

Aber was, wenn ein Projekt bereits im Entstehungsprozess Menschen vor Ort zusammenbringt? Wenn die nötige Offenheit und Neugier da ist, wenn es Kontakte in bestehende Dorfgemeinschaften gibt, wenn mit Kreativität und Vergnügen miteinander an der Umsetzung gearbeitet wird? Wenn man sich die nötige Zeit nimmt? Dann kann etwas wirklich Gutes entstehen, etwas, das den Moment überdauert, in dem ein Projekt feierlich eingeweiht und die Förderung durch ist, die Presse berichtet hat.

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Put the Social in the Media!

Spielkinder vor!

Am 27.4.2018 hielt Ute beim 5. Kölner Kultursymposium die Session zu „Best Cases – Zukunft Social Media“

Abstract:

Die sozialen Medien wurden ja nicht erfunden, um digitale Reklametafeln oder reine Marketinginstrumente zu sein. Sie sind es inzwischen aber zum großen Teil. Was schade ist, denn nie war es einfacher, mit Interessierten, Kunden, Publikum dialogisch auf Augenhöhe zu kommunizieren, die eigene Arbeit zu vermitteln, teilhaben zu lassen, mit einzubeziehen, ihnen zuzuhören (!).

Ich zeige Beispiele, wie Kunstvermittlung, Kommunikation und Partizipation (im Kulturbereich) im Digitalen aussehen kann – ganz spielerisch.

Vor ziemlich genau fünf Jahren, am 13.4. 2013 haben wir Herbergsmütter einen Bunten Abend zum Thema Gamification veranstaltet – dem ich den Untertitel „Spielkinder vor“ entliehen habe – u.a. mit dem Ziel, Impulse für Ideen für das Social Web zu finden.

Wir machen was mit Fähnchen 5 Jahre später stehe ich hier und muss mich – zusammen mit einem kleinen bunten Haufen von kulturvermittelnden Mitstreiterinnen – immer noch darum kümmern, dass das Netz nicht nur den Hassern und Trollen, sondern auch nicht den Reklame-und Marketingmenschen überlassen wird.

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Ahoi, Bremen!

Schuld ist mal wieder dieses Internet. Schon seit einer geraumen Weile fielen mir die Beiträge der Kunsthalle Bremen auf: Einfallsreich, witzig und mit Leichtigkeit wird insbesondere bei Instagram (die Storys!) und Twitter mit den Inhalten des Museums und Bremen selbst gespielt. Das sprach mich sofort an. Umso mehr, als dann Menschen am Reitertag eingeladen wurden, in Reitklamotten kostenlos Zugang zur Liebermann-Ausstellung zu erhalten. Super! Schon da wäre ich gern nach Bremen gereist, doch es war nicht die rechte Zeit.

Die Jugendherbergen im Nordwesten waren wie immer auf Zack und ermunterten mich zu einem Besuch. Das flammte dann vor einer Weile wieder auf. Nägel mit Köpfen: Schwupp, hatten wir einen Termin und eine Unterkunft in der schicken Jugendherberge Bremen war mir sicher. Via Twitter tütete ich den Besuch in der Kunsthalle ein und freute mich auf Jasmin. Über den monatlichen Twitter-Chat der Bibliotheken, den #BibChatDE, war mir außerdem Christopher aufgefallen, Mitarbeiter der Stadtbibliothek Bremen. Angetwittert und schon hatten wir einen Termin für einen Schwatz beim Käffchen und einen Rundgang in der Stadtbibliothek.

Der erste Blick auf Einheimische am Bremer Hauptbahnhof

Der erste Blick auf Einheimische am Bremer Hauptbahnhof

Stürmische Begrüßung

Stürmische Begrüßung – hui!

Bernd singt, was Jan ihm sagt

Bernd singt, was Jan ihm sagt

So landete ich Anfang Oktober in Bremen. Fast zeitgleich mit einem gewissen Herrn Xavier, der noch für Ungemach sorgen sollte.

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Stadt. Land. Duisburg. Leverkusen. Wesseling

Am 4. März wurde #StadtLandBild in die Kohlenstoffwelt getragen und es gab verschiedene Walks, bei denen Instagramer und Fotobegeisterte im Geiste von Albert Renger-Patzsch auf Motivsuche gingen.

Im Auftrag der Pinakotheken veranstalteten wir drei Walks. Auf Facebook drüben haben wir die Herbergsmütter-Blicke in einem Album zum Durchblättern versammelt.

In München war man mit #StadtLandMuc schon am Vormittag unterwegs und übergab den Staffelstab dann an uns, die wir an drei verschiedene Orte um Köln und im Ruhrgebiet eingeladen hatten. Drei Orte, die sich einerseits in ihrer Topographie unterschieden, andererseits aber alle durch die Industriekultur geprägt wurden. Es war eine äußerst spannende Spurensuche.

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