Wir müssen jetzt die Köpfe hochkrempeln: Es ist #KulturWM!

Wenn ab dem 14. Juni alles nach Russland auf einen Ball schaut, der von bunt bekleideten Männern zwischen zwei Toren hin- und hergejagt wird – ja, da gilt es, mitzufiebern, ein paar Wochen in medienfreien Gegenden zu wandern, das Ereignis zen-mäßig wegzuatmen oder: Halt, gleich!

„Da muß dann auch mal einer die Hand ins Heft nehmen.“ (Thomas Helmer)

Zwangsverordneten Großereignissen mit obskuren Hintergründen stehen wir bekanntlich tendentiell reserviert gegenüber. Nicht jedoch dem Spiel an sich. Im Gegenteil: Spielkinder vor! Was 2016 zu zweiwöchigen Pantwitterspiele führte. Davon haben wir uns mittlerweile so einigermaßen erholt. Unruhe stellt sich ein. Ob wir nicht mal wieder …? Wie praktisch, dass Harald Link (einer der Grundungsmitglieder der @kulturkonsorten) eine fabelhafte Idee hatte:

Jede und jeder ist herzlich eingeladen, mitzutun. Hashtag ist #KulturWM plus Länderkürzel, wie beim Eurovision Song Contest. 🙂

Wir sind schon sehr gespannt, was wir an zeitgenössischer Kunst aus Saudi Arabien, Popmusik aus dem Iran, Theater aus Uruguay, Kunst aus Nigeria und anderen Preziosen entdecken werden.

Ein Serviervorschlag?

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Put the Social in the Media!

Spielkinder vor!

Am 27.4.2018 hielt Ute beim 5. Kölner Kultursymposium die Session zu „Best Cases – Zukunft Social Media“

Abstract:

Die sozialen Medien wurden ja nicht erfunden, um digitale Reklametafeln oder reine Marketinginstrumente zu sein. Sie sind es inzwischen aber zum großen Teil. Was schade ist, denn nie war es einfacher, mit Interessierten, Kunden, Publikum dialogisch auf Augenhöhe zu kommunizieren, die eigene Arbeit zu vermitteln, teilhaben zu lassen, mit einzubeziehen, ihnen zuzuhören (!).

Ich zeige Beispiele, wie Kunstvermittlung, Kommunikation und Partizipation (im Kulturbereich) im Digitalen aussehen kann – ganz spielerisch.

Vor ziemlich genau fünf Jahren, am 13.4. 2013 haben wir Herbergsmütter einen Bunten Abend zum Thema Gamification veranstaltet – dem ich den Untertitel „Spielkinder vor“ entliehen habe – u.a. mit dem Ziel, Impulse für Ideen für das Social Web zu finden.

Wir machen was mit Fähnchen 5 Jahre später stehe ich hier und muss mich – zusammen mit einem kleinen bunten Haufen von kulturvermittelnden Mitstreiterinnen – immer noch darum kümmern, dass das Netz nicht nur den Hassern und Trollen, sondern auch nicht den Reklame-und Marketingmenschen überlassen wird.

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Ahoi, Bremen!

Schuld ist mal wieder dieses Internet. Schon seit einer geraumen Weile fielen mir die Beiträge der Kunsthalle Bremen auf: Einfallsreich, witzig und mit Leichtigkeit wird insbesondere bei Instagram (die Storys!) und Twitter mit den Inhalten des Museums und Bremen selbst gespielt. Das sprach mich sofort an. Umso mehr, als dann Menschen am Reitertag eingeladen wurden, in Reitklamotten kostenlos Zugang zur Liebermann-Ausstellung zu erhalten. Super! Schon da wäre ich gern nach Bremen gereist, doch es war nicht die rechte Zeit.

Die Jugendherbergen im Nordwesten waren wie immer auf Zack und ermunterten mich zu einem Besuch. Das flammte dann vor einer Weile wieder auf. Nägel mit Köpfen: Schwupp, hatten wir einen Termin und eine Unterkunft in der schicken Jugendherberge Bremen war mir sicher. Via Twitter tütete ich den Besuch in der Kunsthalle ein und freute mich auf Jasmin. Über den monatlichen Twitter-Chat der Bibliotheken, den #BibChatDE, war mir außerdem Christopher aufgefallen, Mitarbeiter der Stadtbibliothek Bremen. Angetwittert und schon hatten wir einen Termin für einen Schwatz beim Käffchen und einen Rundgang in der Stadtbibliothek.

Der erste Blick auf Einheimische am Bremer Hauptbahnhof

Der erste Blick auf Einheimische am Bremer Hauptbahnhof

Stürmische Begrüßung

Stürmische Begrüßung – hui!

Bernd singt, was Jan ihm sagt

Bernd singt, was Jan ihm sagt

So landete ich Anfang Oktober in Bremen. Fast zeitgleich mit einem gewissen Herrn Xavier, der noch für Ungemach sorgen sollte.

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Wir zieh’n, fallera: Landschaft auf die Hand mit der digitalen Promenadologie

Laut Lucius Burckhardt, Erfinder der Spaziergangswissenschaft, entsteht Landschaft erst im Kopf des Betrachters. Sie ist ein Konstrukt, deren „Grammatik und Wortschatz den dichterischen Anfängen der Kunst entstammen“*. In seinen promenadologischen Betrachtungen beschäftigt sich der Soziologe, Planungstheoretiker, Ökonom und Kunsthistoriker „mit den Sequenzen, in welchen der Betrachter seine Umwelt wahrnimmt.” Wann etwa empfinden wir Landschaft als schön und wann stören wir uns an einer Verhässlichung der Landschaft?

Ausgehend von Burckhardts Ideen der Spaziergangwissenschaft entwickelten wir Methoden und Strategien für eine digitale Promenadologie. Mit dem Smartphone in der Hand vollziehen wir Landschaftserfahrung in einzelnen Schritten nach und dokumentieren sie in den digitalen Raum. Anlass und Auslöser hierfür war eine Anfrage der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, uns etwas für die Ausstellung Unter freiem Himmel auszudenken. Ziemlich rasch waren wir von einer rein digitalen Aktion im Geiste vom Flohzirkus oder den #pantwitterspielen über einen Anflug von Instawalk bei einer ganz anderen Idee: Wir gehen raus in die Landschaft und erfinden oder adaptieren Methoden, um sie zu erkunden und zu erleben und zu dokumentieren, was man dort sieht und tut. Diese Erkundung fließen unter einem Hashtag als Serviervorschlag zusammen: #wirziehnfallera!

Mithilfe unserer Handreichung kann fortan jeder Landschaft mit den Methoden der digitalen Promenadologie erkunden und die Eindrücke mit anderen teilen. Und sie um eigene Methoden und Erfahrungen anreichern.

Ute Vogel rahmt Landschaft ein. #wirziehnfallera

Ute Vogel macht sich ein Bild von der Landschaft. #wirziehnfallera

Perspektivwechsel ist unser Lieblingssport

„Bestimmte Perspektiven kann man wohl nur durch Kunst vermitteln, da die Beschränkung des Blickes heute so weit verbreitet ist, dass die Leute kaum mehr die Distanz haben, sie aufzuheben. Das kann nur die Kunst vermitteln, ohne belehrend oder verletzend zu sein. Mit unseren Spaziergängen schalten wir die Angst vor dem Ungewohnten aus. Und außerdem macht es Spaß.“ So Lucius Burckhardt in einem Gespräch mit Hans Ulrich Obrist während einer Taxifahrt duch Bordeaux im Jahr 2000*.

Den Blick zu heben und ganz neu auf Vertrautes zu richten, kann ungeheuer aufregend sein. In dem Moment, in dem man Landschaft erkennt, das Vertraute hinterfragt und Landschaft nicht mit Natur verwechselt, sondern als vom Menschen real oder imaginär geschaffen, nimmt man sich selbst als gestaltenden Menschen wahr. Hier darf man ruhig auch an Beuys denken, der den Menschen als künstlerisches und somit als gestaltendes Lebewesen begriff: „Nichts muss so bleiben, wie es ist.“

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Stadt. Land. Duisburg. Leverkusen. Wesseling

Am 4. März wurde #StadtLandBild in die Kohlenstoffwelt getragen und es gab verschiedene Walks, bei denen Instagramer und Fotobegeisterte im Geiste von Albert Renger-Patzsch auf Motivsuche gingen.

Im Auftrag der Pinakotheken veranstalteten wir drei Walks. Auf Facebook drüben haben wir die Herbergsmütter-Blicke in einem Album zum Durchblättern versammelt.

In München war man mit #StadtLandMuc schon am Vormittag unterwegs und übergab den Staffelstab dann an uns, die wir an drei verschiedene Orte um Köln und im Ruhrgebiet eingeladen hatten. Drei Orte, die sich einerseits in ihrer Topographie unterschieden, andererseits aber alle durch die Industriekultur geprägt wurden. Es war eine äußerst spannende Spurensuche.

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Gemeinsame Erinnerungen sind manchmal die besten Friedensstifter

… schrieb einst Marcel Proust ins Internet.

Was für ein Jahr! Allerorten erklingt ein Lamento nach dem anderen. Und doch: Es gab sie auch in diesem Jahr, die schönen Augenblicke, berührende Momente und Begegnungen, erhebende Erlebnisse. Und selbstverständlich die Trauer um Menschen, die uns nah waren oder denen wir uns nah fühlten, Menschen, die uns in diesem Jahr verließen. Die Weltlage ist ein Graus und es gibt wenig Grund, dass sich das in Bälde ändern könnte.

Verzagen wir nicht und erinnern wir uns an das, was uns das Jahr allem zum Trotze erhellte. Wir tun dies bis Neujahr unter dem Hashtag #kulturschau. Wer sich inspiriert und eingeladen fühlt, fühle sich frei und mache mit.

Nein, die #kulturschau ist keine Leistungsschau. Es geht nicht um die Besten, Schnellsten und Lautesten. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist kein Ranking. Es geht allein darum, sich zu erinnern und hin und wieder ein „Ach ja, stimmt, das gab’s ja auch!” auszurufen. Und daraus Kraft und Mut zu schöpfen für ein neues Jahr.

2016-01-01-00-04-05-2

Dreimal Rückblick auf das #sckb16

Über Barcamps muss man sprechen! Denn nur so kann das, was an diesem Tag von allen Beteiligten erschaffen wurde, weitergedacht und auch weitergetragen werden. Da wir Herbergsmütter diesmal wieder alle vollständig anwesend waren, schien es uns angebracht, einen gemeinschaftlichen Beitrag zu schreiben, in dem jede das stARTcamp KölnBonn aus ihrer Sicht schildern darf. Wer sich vorab mal schnell einen Überblick verschaffen möchte: die Bundeskunsthalle hat ein super Storify gemacht.

„Das müssen wir machen!“

Als ich (Wibke) die Mannequin Challenge* der New York Public Library sah, sprang mich flugs die Idee an, dass wir sowas unbedingt beim stARTcamp Köln-Bonn machen müssen. Immerhin  fand das #sckb16 in der Bundeskunsthalle statt. Der zögerliche Anfangsgedanke, wir könnten in einer Session eine typische Barcampsituation nachstellen, wich schnell der kühnen Idee, einen typischen Museumsbesuch zu nehmen – mitten in der laufenden Ausstellung. Nun passierten gleich mehrere verrückte Sachen gleichzeitig: Jutta und das Team der Bundeskunsthalle fanden es super. Und ALLE Teilnehmerinnen und Teilnehmer des stARTcamp Köln-Bonn wollten mitmachen! Irre. Kurzerhand blockten Johannes und Sascha den letzten Zeitslot für eine gemeinsame Abschlusssession. (Wow, guckt Euch an, wieviele ‚s‘ in dieses Wort passen!)

Tweet zur Mannequin Challenge in der Ausstellung Touchdown 21 in der Bundeskunsthalle

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Moin! Herbergsmütter auf Klassenfahrt in Ostfriesland

Es war mal wieder so eine Twitter-Liebe. Schon lange gab es im Netz eine Herbergsmütter-Verbindung zwischen uns und zwei echten Herbergsmüttern. Und als wir dann auf Gesa Hauschild und Nele Krampen trafen, war es so, als ob wir uns schon ewig kennen.

Herbergskultour der herbergsmütter in Emden

Der erste Kaffee beim Herbergsmütter-Gipfel

Ich glaube, es war Gesa, die irgendwann auf die Idee kam, dass wir doch unbedingt mal eine Jugendherberge live testen müssten. Gesa arbeitet als Pressefrau beim Deutschen Jugendherbergswerk Nordwesten und hatte bis vor drei Jahren Nele Krampen im Büro nebenan sitzen. Die wiederum beschloss eines Tages, dass es eine gute Idee sei, nach Emden zu gehen, um die dortige Jugendherberge auf Vordermann zu bringen. Schnell waren wir uns alle einig, dass unser Treffen dort stattfinden sollte.

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Die goldigen Bundestwitterspiele im deutschen Nichtsommer

Das IOC und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) haben knallharte Regeln für das Social Web ausgegeben. Das bedeutet, nicht-olympische Sponsoren dürfen weder offizielle Hashtags benutzen, noch retweeten. Explizit nachlesen könnt ihr das bei Malte Spitz.

„PS: Gerade erst gesehen, Begriffe die nach der Definition vom DOSB von nicht-olympischen Sponsoren in der Social-Media Kommunikation NICHT verwendet werden dürfen sind auch „Spiele“ und „Sommer“.“

Am besten mutet man alle offiziellen Accounts und entsprechende Hashtags, dann kommt man gar nicht erst in Versuchung und die Offiziellen können unter sich ihre geheimbündlerische Inzucht betreiben.

Hagebuttenkranz

Nachdem wir mit dem Flohzirkus selber so viel Spaß hatten und es auch Außenstehende unterhalten hat, wollen wir in den kommenden zwei Wochen diesem IOC-Quatsch einen anderen Quatsch entgegensetzen:

Die goldigen Bundestwitterspiele im deutschen Nichtsommer aka #pantwitterspiele

(unter CC-Lizenz)

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Weltproben: Ich verließ meinen Alltag, um den Alltag zu inszenieren

„In der Mitte des Platzes steht eine grüne Vespa. Über den Platz gehen zwei Männer mit einem Kinderwagen. Einer der Männer trägt eine Wasserflasche.“

Ich sitze am Rande des Wiener Platzes in Köln-Mülheim. Ich trage Funkkopfhörer. Eine Stimme macht mich auf Alltagsszenen aufmerksam. Ich weiß, ich bin Teil einer Theaterperformance im öffentlichen Raum. Ist das, was ich sehe, was die Stimme beschreibt, echt – oder inszeniert? Ich bin angespannt, denn ich habe keine Ahnung, was mich in den nächsten zwei Stunden erwartet.

Weltproben – Eine Versammlung

Drama Köln verzichtet bewusst auf klassische Theaterräume und besetzt für seine Inszenierungen den öffentlichen Raum oder gewerbliche Leerstände. In Weltproben geht es um den Alltag als Simulation, als Reenactment. Die Zuschauer sind zugleich Beobachter und Darsteller. Regisseurin Philine Velhagen dazu im Interview bei Choices: „Mich interessiert daran, im Betrachten des Alltags mit der Welt in Verbindung zu treten. Durch die Beobachtung geht eine Welt hinter der Welt auf, die man vorher nicht gesehen hat.“

Mehr musste ich gar nicht wissen, um mich anzumelden. Per Mail. Auf diesem Wege kamen dann die Instruktionen, wo und wie das Spiel beginnen würde. „Ziehe dich wetterfest an, sei gerüstet.“ Allzuviel möchte ich über den Beginn gar nicht erzählen. Schließlich saß ich am Rande des Wiener Platzes, trug Funkkopfhörer und beobachtete, geleitet von der Stimme aus dem Off, das Geschehen vor Ort.

Ein Platz? Oder ein Theaterraum?

Nur ein Platz? Oder ein Theaterraum?

Wie haben wir das eigentlich gelernt, dieses Sich bewegen im Alltag, dieses Sein im öffentlichen Raum?

Wie haben wir das eigentlich gelernt, dieses Sich bewegen im Alltag, dieses So-Sein im öffentlichen Raum?

Wer meine Mitspieler, wer die anderen Zuschauer waren? Beobachtete ich nur oder wurde ich selbst auch beobachtet? Der selbstverständliche Alltag begann, sich fremd anzufühlen. Ein „Uns“ formte sich, forciert durch Hinweise der Stimmen aus dem Off. Jemand sah uns. Sprach uns auf unser Sitzen, Schreiten, Sein an. Lobte Selbstverständlichkeiten. Der Körper, das Sein, begann, sich fremd anzufühlen.

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