stARtcamp München 2015 – Zeit für den nächsten Schritt?

In diesem Jahr war ich (Ute) leider die einzige Herbergsmutter, die das stARtcamp in München besuchen konnte. Für mich war das ein pralles Kulturwochenende im April.
Was vor dem stARTcamp geschah, ist hier zu lesen.

 

Samstag früh ging es also ganz geschmeidig ohne Rollkoffer ins Literaturhaus zum stARTcamp München. Zum Ablauf und Inhalt will ich gar nicht viel schreiben, das wurde vielerorts schon umfänglich getan.

 

Kulturkonsorten
 Zum 3. Mal stARTcamp München, zum zweiten Mal im schönen Literaturhaus, das X-te Treffen mit der „Kollegen-Familie“ Kulturkonsorten. Ich fühle mich da wohl, muss aber auch ganz ehrlich und ein bisschen ketzerisch sagen: das Thema stARtcamp ist für mich ein bisschen durch.

2011 sind wir Herbergsmütter in den stARTkosmos eingetreten, haben drei stARTcamps selber organisiert und einige andere besucht. In den vier Jahren hat sich viel getan und mir kommt es manchmal vor wie 10 Jahre. stARTcamps sind immer wunderbare Gelegenheiten, twitternde Kulturmenschen aus der ganzen Republik zu treffen, die man eben nur bei diesen Gelegenheiten triff, seien es die stART-„Urgesteine“, die Kollegen-Familie, oder einfach die liebgewonnenen Twitter-Menschen. Es ist auch immer ganz fabelhaft, die Menschen hinter den Twitter-Accounts kennenzulernen, in diesem Jahr war es eine besondere Freude, zum ersten Mal den Menschen hinter @letstalkaboutarts, @residenztheater, @bay_Staatsoper, @kulturfritzen, @psoemers, @pinakotheken @AnneAschenbrenn und vielen anderen zu begegnen.
Schön ist es auch, dass immer so viele „Neue“ und Ersttäter kommen und es ist auch sehr wichtig, dass es eine ausgewogene Mischung von alten und jungen Hasen ist.
Aber. Ich kann nicht mehr so viel aus dem 45-minütigen Session-Format ziehen. Es ist einfach zu kurz und ein Thema  kann da nur an der Oberfläche bleiben. Entweder kommt man nach einem Inhaltsinput nicht mehr zum diskutieren, oder eine Diskussion bahnt sich gleich ihren Weg und der ursprüngliche Input kommt nicht zum Zug. Wie auch immer – 45 Minuten reichen nicht. Vielleicht wären Doppel-Sessions eine Lösung, vielleicht braucht es aber auch ein neues zusätzliches Veranstaltungsformat, denn Konferenz wäre für mich jetzt nicht die passende Alternative.
Von der Initiierung des Themas Kunst, Kultur & Social Web durch die stARTconference wurde es durch die stARTcamps erfolgreich weiter in die Breite getragen und vielleicht ist jetzt die Zeit für einen nächsten Schritt gekommen, weiter in die Tiefe zu gehen. Einige Gespräche führten zu ähnlichen Gedanken.

 

Die Herbergsmütter könnten sich folgendes Szenario vorstellen: Ein schöner, inspirierender Ort, an dem man in einer nicht ganz so großen Gruppe ein oder zwei Tage verbringt, gerne wie bei einem Barcamp startet, sich am Morgen auf drei oder vier Themen einigt und diese in Gruppen über den Tag bearbeitet. Es bestünde die Möglichkeit Lösungsansätze für bestehende Problematiken zu entwickeln, Projekte anzustoßen und aufzusetzen und Strategien zu entwickeln. Das flanieren und genießen (Speis und Trank) sollten auf keine Fall zu kurz kommen. (Warum poppt jetzt sowas wie die Landpartie in meinem Kopf auf … ? 😉 )

 

Wir werden sicher noch das eine oder andere stARTcamp besuchen, die Euphorie der ersten Jahre ist allerdings etwas verflogen. Die Leidenschaft für das Thema Kunst, Kultur & Social Web brennt weiter.

Nachtrag: Was mir jetzt im Nachhinein noch einfiel: Auch nach über vier Jahren stARTcamps sind mir Theater (dort und im SocialWeb) immer noch zu unsichtbar. Mir fehlen Designer, Architekten, Musiker, Tänzer,  Filmemacher, überhaupt die darstellenden und bildenden Künstler und Kreativarbeiter. Eine buntere Durchmischung. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

  • Geht mir ähnlich, wobei ich ehrlich in Münster noch Inspiration und Gespräch fand. Sonst schien es mir allgemein gehetzt. Euer Szenario gefiele mir gut, zumal man dann auch Zeit hätte, all die Fragen, die doch eher am Abend nach den Sessions kommen, aufzuwerfen – und vor allem: mehr Zeit für wirkliche Gespräche und einfach nur Fragen wie „Wie macht Ihr das, was sind Eure Erfahrungen, geht das bei mir auch?“

    • herbergsmuetter

      Liebe Juna, danke für Deinen Kommentar. Vieleicht sollte man eh abendliche Rotweinsessions mit OpenEnd einführen. 😉
      Das tiefer denken ist es, was uns auch fehlt. Es ist einfach an so einem eng getakteten Tag nicht möglich. /ute

  • Marc Lippuner

    Liebe Ute, danke für Deinen Bericht und auch die kritischen Anmerkungen. Als Erstteilnehmer fand ich das Kennenlernen der vielen Menschen ganz wunderbar, muss Dir aber auch zustimmen, dass 45 Minuten nicht genug sind. Es blieb zu wenig Zeit, um in Themen wirklich einzutauchen. Ich hätte auch Lust, direkt vor Ort neue Projekte auszuhecken, das klappt natürlich nicht in dem zeitlich abgesteckten Rahmen.
    Wenn man Deine Idee aufgreift, sollte man die Themenschwerpunkte vielleicht vorher grob abstecken, damit jede_r im Vorfeld weiß, ob ein Besuch dann für sie_ihn auch ergebniserfüllt ist. So reduziert sich automatisch auch die Gruppengröße. Zwei Tage sind auch ne gute Idee, weil dann – Juna schrieb es bereits – abends bis in die Puppen weitergequatscht werden kann – und am nächsten Tag könnten die Karten neu gemischt werden. Oder auch nicht.
    Ich bin beim Darüber-Nachdenken sehr gerne dabei! Beim nächsten stARTcamp – wenn’s passt – aber auch.

    • herbergsmuetter

      Lieber Marc, das ist auch eine gute Idee, die Themen vorab abzuzirkeln.
      Wir können auf dieser Idee gerne mal weiter drauf rumdenken.
      Wie gut, dass man Dich so relativ kurzfristig nach München gezupft hat. 🙂

      /ute