Moin! Herbergsmütter auf Klassenfahrt in Ostfriesland

Es war mal wieder so eine Twitter-Liebe. Schon lange gab es im Netz eine Herbergsmütter-Verbindung zwischen uns und zwei echten Herbergsmüttern. Und als wir dann auf Gesa Hauschild und Nele Krampen trafen, war es so, als ob wir uns schon ewig kennen.

Herbergskultour der herbergsmütter in Emden

Der erste Kaffee beim Herbergsmütter-Gipfel

Ich glaube, es war Gesa, die irgendwann auf die Idee kam, dass wir doch unbedingt mal eine Jugendherberge live testen müssten. Gesa arbeitet als Pressefrau beim Deutschen Jugendherbergswerk Nordwesten und hatte bis vor drei Jahren Nele Krampen im Büro nebenan sitzen. Die wiederum beschloss eines Tages, dass es eine gute Idee sei, nach Emden zu gehen, um die dortige Jugendherberge auf Vordermann zu bringen. Schnell waren wir uns alle einig, dass unser Treffen dort stattfinden sollte.

Jugendherberge EmdenÜberraschungspaket Jugendherberge

Wer bei Jugendherberge an Hagebutten-Tee denkt, den feiern wir! Aber dieses kulinarische Highlight entstammt eher der Erinnerung an eigene Klassenfahrten anno dazumal. Genauso wie kratziges Bettzeug und muffige Duschen. Also, die Bäder zu unseren Zimmern waren erste Sahne. (Wir hatten natürlich den Luxus von Einzelbelegung. Das ist für normale Besucher nicht drin. Aber wir waren ja keine normalen Besucherinnen *hüstel*). Und das Essen war top! Wir hätten uns glatt dran gewöhnen können, jeden Abend um halb sieben voller Vorfreude vor dem Eßsaal zu stehen.

Herbergsmutter – was macht die denn eigentlich so den lieben langen Tag? Wir hatten uns ja damals den Namen gegeben, weil wir uns einer besonderen Kümmerei verpflichtet fühlten. (Das stARTcamp Köln*! Die Älteren unter euch werden sich erinnern! 🙂 ). Das ist auch ein Teil des Jobs, den Leiterinnen und Leiter an Jugendherbergen leisten müssen. Aber wie umfangreich das insgesamt ist, hätten wir uns so nicht ausmalen können. Nele kümmert sich darum, dass gutes Personal vor Ort ist. Ohne gute Leute hat man in dem Metier eh schon mal schlechte Karten. Eine Herbergsmutter ist aber auch verantwortlich für die Rahmenprogramme, mit denen die Hauptklientel Schulklassen bespaßt werden. Gut, wenn man hier ein Netzwerk hat! (Der liebe Kollege vom Bunkermuseum ist schon mal ne Bank. Den haben wir auch kennengelernt. Da hören die Kids aufmerksam zu, soviel ist sicher.)

Also, halten wir mal fest: Herbergsmutter = Personalerin und Eventmanagerin. Hinzu kommt Kummerkasten für große und kleine Wehwechen. Gebäudemanagerin, Controllerin und was in so einem Betrieb noch an Organisatorischem zu leisten ist. Nicht zu vergessen sind die Marketing- und PR-Aktivitäten. Und das selbstverständlich 24/7. Klingt nach einem Traumjob! Tatsächlich machte Nele auf uns den Eindruck, als sei es genau das.

Emden erleben

Und ganz Herbergsmütter, hatten Gesa und Nele für uns ein Top-Programm ausgearbeitet, mit dem wir das wunderbare Städtchen Emden aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen durften. Also, bei aller Liebe zur Kunst – mein persönliches Highlight war auf jeden Fall der unvergessliche Abend in den Wallanlagen. Als wir mit allerlei Wegebier in der Dämmerung aufbrachen und uns am Wasser niedergelassen haben. Es war eine tolle Stimmung, die Sterne leuchteten, ab und an kam ein Boot vorbeigeschippert und wir haben geschnackt und gelacht, uns ausgetauscht und viele Gemeinsamkeiten festgestellt. (Getwittert haben wir zwischendurch auch noch 🙂 )

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Stadtführerin Lotte BotterbrodtAm nächsten Morgen erwartete uns dann die reizende Lotte Botterbrodt und führte uns durch Emden. Die Stadt ist voller Überraschungen und es reichte eine Stunde nicht aus, um alles anzuschauen. Nach dem Besuch bei der Kunsthalle und in der Malschule machten wir uns auf eigene Faust noch einmal auf. Dabei reizte uns vor allem die A-Lasco-Bibliothek, die in einer alten Kirche beheimatet ist. (Fotos leider verboten :-() Im Stadtbild stießen uns allerdings auch die vielen Bunker ins Auge. Es sind über 30 noch erhaltene Kolosse! Da man in Emden nicht in den Untergrund ausweichen konnte (Moorboden!), musste man in die Höhe gehen. Und so ist die Stadt, der man die Nähe zum Meer und zu den Niederlanden anmerkt, geprägt von den steinernen Zeugen einer dunklen Zeit. Ansonsten sieht man viel den für den Norden typischen Backstein. Und natürlich das Wasser. Über sieben Prozent der Gesamtfläche des Stadtgebietes! Das nächste Mal möchte ich gerne einmal auf den Kanälen durch Emden cruisen. Oder den Sielen? Tiefs? Delfts? Ich habe sie immer noch nicht drauf, die ganzen Gewässer-Namen.

Die Galerie gibt einen kleinen Eindruck der Stadt wieder.

Keine Staus. Keine Termine. Keine Hektik. Kein Stress. Keine Kompromisse.

Ich weiß nicht, wie oft wir während unseres Aufenthaltes diese Zeile im Kopf hatten. Aber es war wirklich so, dass diese paar Tage im späten August (in Köln wütete da gerade eine Hitzehölle) für uns ein kollektives Durchatmen bedeutet haben. Und bei einer fabelhaften Radtour haben Ute und ich uns ganz der Weite des Landes hingegeben. (Wibke radelte derweil in die entgegengesetzte Richtung, setzte mit der Fähre über die Ems und stattete lieben Pferden einen Besuch ab. Dazu wird sie noch bloggen, über Ostfriesland als Land der Pferde, die schwarzen Perlen und die Geschichte der Reitkultur.)

Das war so ein eindrückliches Erlebnis, dass ich heute noch die Mischung aus Sonnenstrahlen und Fahrtwind auf meiner Haut spüren kann! Der Start unserer Tour zum großen Meer (was ein See ist!) führte uns lange über den Deich des Ems-Jade-Kanals entlang. Es ist schon erstaunlich, wie entspannend ein Blick in das weite Land sein kann! Gestartet sind wir übrigens an der weltberühmten Kesselschleuse in Emden. Ich könnte ja stundenlang auf das Wasser starren oder zuschauen, wie die Schiffe da durchgeschleust werden.

Kesselschleuse, Emden

Später erwartete uns übrigens das Abenteuer „Pünte“ – eine besondere Art des Übersetzens, bei dem man mittels Muskelkraft das Marscher Tief überwinden muss. Da das gar nicht so einfach ist, gibt es an den Stellen gerne mal ein großes Hallo und man muss sich mit anderen Radfahrern zusammentun. Und hoffen, dass die wartenden Bootsführer im Kanal nicht unruhig werden. Alles in allem ein herrliches Event!!

Der kulinarische Aspekt unserer #Ostfrieslandpartie

Mensch, wir haben es leider in den paar Tagen nicht geschafft, an der berühmten Fischbude  das legendäre Fischbrötchen zu essen. Aber dann auf der Radtour! Ihr kennt das: Niemals schmeckt ein Imbiss besser als unterwegs und nach einer körperlichen Ertüchtigung. Der Matjes war super zart und nicht zu übertrieben gesalzen, das Brötchen knusprig (wie ich es mag, wie es aber anscheinend nicht typisch ist!).

mittaWenn man uns fragte, wo man in Emden gut essen gehen kann, dann wäre die Antwort: Bei Henris (ich schreibe das mal hier ohne das Apostroph, ne?). Das Restaurant der Kunsthalle bietet eine wirklich gute Küche (Mini-Frankfurter-Kranz!!!) und wir waren gleich dreimal dort, während unseres Aufenthaltes.

Man kann natürlich nicht nach Ostfriesland fahren, ohne eine Teezeremonie mitzuerleben. Und so darf dieser Beitrag nicht enden ohne die Erwähnung von Thiele Tee. Die inhabergeführte Manufaktur stellte DEN Tee der Ostfriesen her und wir haben im Kontor eine Einführung in die richtige Handhabung bekommen.

Zuerst wird ein Kluntje (weißer Kandis) in die Tasse gegeben. Beim Übergießen mit dem heißen Tee knistert der Kluntje, der dem Tee die feine Süße gibt. Einige Tropfen echte Sahne zaubern das berühmte „Wulkje“ (Wölkchen) und machen den Teegenuss vollkommen.

Wichtig ist, die Sahne entgegen dem Uhrzeigersinn in den Tee zu geben, damit hält man nämlich die Zeit an. Und der Tee wird nicht umgerührt! Wenn jetzt die Herbstabende etwas kühler werden, wird im Rheinland der Ostfriesentee zum Einsatz kommen. Wir haben nämlich von unseren Herbergsmüttern einen wunderschönen Präsentkorb bekommen, zu dem auch ein Päckchen Tee gehörte. Und ein entzückendes Körbchen mit unserem Wappentier. (Gesa, das erhält einen Ehrenplatz!!)

Wir winken noch einmal fröhlich in den Norden und danken für diese schöne Herbergskultour-Auszeit. Ganz sicher war es nicht das letzte Mal, dass wir dort waren!

Getwittert haben wir mit dem Hashtag #herbergskultour. Wer nachlesen möchte, bitte sehr. Eine Bilderschau gibt’s bei Instagram.

*Das stARTcamp Köln-Bonn wird übrigens nun von Johannes Mirus und Sascha Förster organisiert und findet übrigens im November erstmals in der Bundeskunsthalle Bonn statt. Tickets gibt’s hier: https://startcamp-kb.de.