Reise zum Mittelpunkt der Kunst

Wenn literarische Bezüge, spannende Kunst und ein toller Ort zusammenkommen, dann sprudeln die kreativen Ideen schon von allein. Bei uns Herbergsmüttern ist das zumindest so. Deswegen waren wir ganz entzückt, als uns der Hartware MedienKunstVerein aus Dortmund fragte, ob wir nicht Lust hätten, sie bei der Vermittlung ihrer aktuellen Ausstellung zu unterstützen. DAS MECHANISCHE CORPS. Auf den Spuren von Jules Verne ist eine fantastische Schau, die einen sofort in ihren Bann zieht. Uns kam die Aufgabe zu, ein Trüppchen aus Twitterati zu einer Gesellschaft zusammenzuschweißen, die mit Entdecker-Elan durch die Ausstellung reist. Das Ergebnis wird man sicher bald beim HMKV erleben können. In unserem Blogbeitrag geben wir euch ein paar Einblicke in unsere Budenzauber-Küche und sagen euch, warum die Ausstellung unbedingt ein Besuch wert ist.

Coprs-Selfie

Der Corps-Geist der Ausstellung folgt der Inspiration durch die Romane Jules Vernes. Kurator Christoph Tannert vom Berliner Künstlerhaus Bethanien hat gemeinsam mit seinem letzes Jahr verstorbenen Kollegen Peter Lang knapp 40 Werke zusammengestellt, die einen in besondere Welten entführen. Selbst wenn man Jules Verne nicht gelesen hat, so hat doch bestimmt jeder ein paar Vorstellungen von den fiktionalen Welten, die in seinen Romanen beschrieben werden. Irgendwie gehören sie schon zu einem kollektiven Wissen der Moderne. Es geht um unentdeckte Länder, Reisen zum Mittelpunkt der Erde oder 20.000 Meilen unter den Meeresspiegel. Vernes beschreibt Visionen von zukünftigen Zeiten oder unentdeckten Welten. Häufig trifft man auf Beschreibungen von utopischen Fortbewegungsmöglichkeiten oder ausgefeilten technischen Erfindungen. In unseren Erinnerungen mischen sich Dampfantrieb, Zeit-Kapseln mit den Erscheinungen smarter Helden im feinen Anzug und dem Entdecken fantastische Geheimnisse. Die Ausstellung nun verbindet Kunst aus unserer Zeit mit diesen Ideen aus dem 19. Jahrhundert. Und indem man sich auf dies Voyage extra-ordinaire einlässt, verbinden sich Zukunftsvisionen und Vergangenheits-Spuren zu einer spannenden Erfahrung.

Karte_corpshmkv_150409

Nachdem wir eine Auswahl aus der Fülle der Objekte getroffen hatten, ging es an die Struktur, mit der die Teilnehmer unseres Workshops sich der Ausstellung nähern konnten. Uns war wichtig, möglichst viele Assoziationen aus den Beteiligten herauszukitzeln. Dieses berühmte Kribbeln im Kopf sollte in Gang gesetzt werden. Eine Idee war das Reisen, das bei Jules Verne eine zentrale Rolle spielt und welches als Leitmotiv für die Ausstellungs-Erkundung dienen sollte. Hierzu bekamen die Teilnehmer eine eigens gestaltete Karte an die Hand. Schwupps waren sie mittendrin in einer fantastischen Geschichte.

Speed-Dating

Unter dem inspirierenden Sog der Turbine von Florian Mertens fanden unsere Reisenden nach einem ersten freien Erkunden der Kunst zu einem Speed-Dating mit Inke Arns (Künstlerische Leitung des HMKV) und Christoph Tannert sowie fünf der beteiligten Künstler zusammen. Diese ungewöhnliche Situtation führte zu einer sehr intensiven und dichten halben Stunde, in der kurze Geistesblitze von einem zum anderen hin und her schwirrten. Massive Energie in Gesprächen zur Kunst – damit hätte man sicher eine Rakete zum Mond starten lassen können :-)

Sven

“Reisender” @word_c_onsume (Sven Jakubowski) als Jules-Verne-Double vor der Meteora (Steamengine) von Gerard van Lankveld

Nach einer kurzen Pause ging es nun ans Storytelling! Reisegruppen fanden sich zusammen, die jeweils eine Reise von Jules Verne nachempfinden sollten. “20.000 Meilen unter dem Meer” – “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde” und “In 80 Tagen um die Welt” gab nun das Thema vor. Welche Stationen würden die einzelnen Kunstwerke der Ausstellung darstellen können? Welches Objekt wäre ein perfekter Reisebegleiter? Es sprudelte … Im nächsten Schritt sollten all diese fantastischen Begegnungen für die Nachwelt festgehalten werden. Und die Reisenden inszenierten sich vor einzelnen Werken. Wie aus einem Jules Verne Roman entsprungen. Absolutes Highlight war der Jules Verne Bart, bei dem es Ute gelungen war, genau die richtige Perspektive zu treffen, so dass sich die Maske perfekt in das Gesicht einpasst. Wir konnten am späteren Abend sogar noch einen Künstler damit verkleiden ;-)

Überhaupt – das muss einmal gesagt werden – war die Offenheit wunderbar, mit der man im HMKV auf unseren Budenzauber eingestiegen war. Besonders angetan waren wir von den Kuratoren und Künstlern, die sich so entspannt und locker haben instrumentalisieren lassen für ein Experiment wie dem Speed-Dating.

soundpanzer

Der spannende Tag im HMKV endete mit einer Performance des legendären Soundpanzer von Nik Nowak. Diesem hatten wir als Abschluss unseres Workshops bereits einen Besuch abgestattet. Es fühlte sich fast so an, als seien wir auf unserer Reise zum Mittelpunkt des Dortmunder U auf ein schlafendes Fabelwesen getroffen, welches dann Stunden später zum Leben erweckt wurde.

Wer also an fantastischen Geschichten seine Freude hat, sich für utopische Szenarien interessiert oder einfach eintauchen möchte in eine faszinierende Kunstwelt voller Sound und Überraschungen, der kann bis zum 12. Juli die Ausstellung besuchen. Wir können euch jetzt schon sagen: es lohnt sich!!!