Kreative Twitter-Erlebnisreise zum Internationalen Museumstag

„Man sieht nur was man weiß.“ Es ist an der Zeit, dieses berühmte Zitat einmal kritisch zu hinterfragen. Goethe hat es angeblich gesagt und eigentlich heißt es im Original: „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.“ So oft habe ich schon die Bemerkung von Ausstellungsbesuchern gehört: „Wenn ich jetzt nicht das ganze Hintergrundwissen hätte, dann könnte ich damit nichts anfangen!“ In solchen Aussagen stecken gleich zwei Denkfehler drin: zum einen MUSS man nicht immer bei einem Ausstellungsbesuch alle Details auf einmal einsammeln und zum anderen sollte man sich hin und wieder einlassen und eigene Erfahrungen mit der Kunst machen. Eigentlich sollte die Frage lauten, was weiß ich bereits und wie kann ich dieses Wissen mit dem Erlebnis von Ausstellungen im Allgemeinen und Kunst im Besonderen verbinden.  Hier setzt die Idee eines Twitter-Erlebnis-Parcours ein, den wir für die Herbergsmütter-Klassenfahrt am Internationalen Museumstag genutzt haben.

Einführung

Der Museumsdienst Köln hatte uns in das Museum Ludwig zur Pierre Huyghe Ausstellung eingeladen, um dort mit besonderen Methoden eine Kunsterfahrung zu machen. Das Museum hat sich gerne dieser Idee eines Tweetup angeschlossen und uns insgesamt 17 Twitterer äußerst freundlich empfangen.

Im Vorfeld hatten wir gemeinsam mit dem Museumsdienst überlegt, welche der Angebote der 8 städtischen Museen für ein Tweetup besonders geeignet sein könnte. Das Angebot der Museen der Stadt Köln, die allesamt vom Museumsdienst betreut werden, ist riesig. Wir waren uns aber sofort einig! Denn die Kunst von Pierre Huyghe biete richtig viele Einstiegsmöglichkeiten in spannende Geschichten und einzigartige Erfahrungsräume. Viele seiner Installationen sprechen alle Sinne an und fordern zur gezielten Wahrnehmung auf. Und so haben wir die Ausstellung im Museum Ludwig ganz im Sinne des Erfinders als eine Aufforderung begriffen, eigene Erfahrungen auch mit dem Smartphone zu machen.
Die Kunstvermittler vom Museumsdienst stehen ständig vor der Herausforderung, komplexe Zusammenhänge durch die didaktische Reduktion und kreative Impulse nachvollziehbar zu machen. Und jetzt kamen wir mit unserem Tweetup-Gedanken: Kultur auf die Hand. Eigentlich eine perfekte Liaison der Möglichkeiten, einen unvergleichlichen Museumsbesuch zu gestalten.

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Ein Erlebnis steht immer in engem Zusammenhang mit der Atmosphäre einer bestimmten Situation. Und eine solche konnten alle Teilnehmer des #kmufe auf einer Twitter-Erlebnisreise ins legendäre Wunderland erkunden. Allein schon die Ausstellungsarchitektur brachte diesen Gedanken einer Reise in unterbewusste Sphären mit sich.

kaninchenloch

Die Ausstellung von Pierre Huyghe muss man einfach mehrmals besuchen. Oder sich von vorne herein auf eine Auswahl der Objekte beschränken! Für unseren Twitter-Erlebnis-Parcours habe ich einige Kunstwerke gezielt ausgewählt, um sie mit Impulsen für individuelle Erfahrungen zu verbinden. Es war toll, dass sich alle darauf eingelassen haben und ich bin total begeistert von den berührenden Ergebnissen, die wir dann mit dem #kmufe Hashtag einfangen konnten. Das sind für mich wahre Sternstunden der Kunstbetrachtung!

GeistdesOrtes_Wibke

Auch der Aspekt der Vernetzung und des gemeinsamen Erlebens kam bei der Erlebnisreise durch Pierre Huyghes Kunsträume nicht zu kurz. Zum einen konnten sich alle wunderbar untereinander verfolgen beim Vinen, Instagramen oder Auffinden der  Erlebnis-Punkte. Aber wir haben zum Beispiel auch dafür gesorgt, dass die Twitterer Kontakt aufnehmen zu den reizenden Studentinnen der kunst:dialoge.

Museumsselfie_christine

Denn gerade in dieser Ausstellung sind die Menschen, die mit der Kunst zu tun haben, eine Entdeckung wert. Und das sind nicht nur die Schauspieler, die aus vergangenen Performances von Pierre Huyghe entsprungen sind. Sondern auch jene studentischen Dialogpartner, die immer wieder zum Gespräch bereit sind und mit viel Herzblut den Besuchern die Ausstellung näher bringen.

Es ist an dieser Stelle auch einmal Zeit, den tollen und kreativen Twitterern ein Kompliment auszusprechen, die an unserem #kmufe und auch in Dortmund an der #udojagd teilgenommen haben.  Ihr wart mutig und habt euch eingelassen auf die spielerischen Ansätze, mit denen wir euch durch die Ausstellung geschickt haben. Leider wird das heutzutage viel zu wenig abgefragt. Was der Besucher fühlt, wie er sich und seine Befindlichkeiten in einem Museum beschreiben würde. Dabei erlangt man wichtige Erkenntnisse über Kunst, über Ausstellungspräsentationen und die Bedürfnisse der Besucher. Gold wert für jede zukunftsorientierte Institution! Deswegen haben auch einige Fragen aus dem Twitter-Erlebnis-Parcours genau darauf gezielt. Was fühlt ihr? Welche unerwarteten Erfahrungen könnt ihr hier machen.

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Es entstand unterhaltsame Co-Creation mit abwechslungsreichen Perspektiven auf die Kunst. Ich bin mir sicher, dass dies auch für die Twitter-Gemeinde draußen an den Bildschirmen einen aufschlussreichen Blick auf die Ausstellung gab. Und im besten Falle zum Museumsbesuch anstiftete. So kann die erweiterte Realität von Kunst auch funktionieren. Das Smartphone wird dabei zu einem perfekten Medium, mit dem man seine eigenen kreativen Einfälle festhalten und veröffentlichen kann. Wenn dann bald alle Museen zu Smart Places geworden sind (*träum*), dann wird es ein immerwährendes Feuerwerk an wunderbaren Einfällen und Beiträgen geben. Und man wird endlich verstehen, dass wir Twitterer, Instagramer und Viner nicht an unheilbarer Knipseritis leiden. Sondern dass es dabei um eine ganz wertvolle Art des Austausches geht.

Was gab es konkret für Aufgaben in diesem Twitter-Erlebnis-Parcours? Es ging hauptsächlich um das Festhalten  von Assoziationen, die man beim Betrachten der ungewöhnlichen Installationen von Pierre Huyghe im Kopf hat. Dafür dienten zum Beispiel vorgegebene Wortstrukturen zum Schreiben von kreativen Tweets. Bei den Bienen funktionierte das mit der Anfangsbuchstaben-Liste genauso gut wie bei dem spannenden Ökosystem der Aquarien mit der Vorgabe der Silbenzahlen eines Haiku.

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Damit sich das Gesehene und Erlebte noch ein wenig setzen konnte, gab es zum Abschluss ein Werkstattgespräch. Eigentlich sollte man ein solch entspanntes Kunstgespräch öfter anbieten! Hat mir richtig gut gefallen, die Atmosphäre in der Malwerkstatt. Angelika von Tomaszewski gewährte noch ein paar Einblicke in die Aufgaben des Museumsdienstes, der uns ja zu diesem Tweetup eingeladen hatte. Mit Leonie Pfennig war auch noch die Presseabteilung des Museums dabei. Hier müssen wir auch einmal ausdrücklich lobend erwähnen, dass das Museum seit Ende 2013 zunehmend sichtbar auf Twitter wird. Ach ja: und der Museumsdienst schaffte es im Laufe des #kmufe sogar, die 1000er Hürde an Followern zu knacken. Na, wenn das nicht ein durchschlagender Erfolg ist!

werkstatt

Und mit ein bisschen #socialsinging und dem jetzt schon obligatorischen Herbergsmütter-Oscar-Selfie gab es noch jede Menge sozialen Kitt für die zukünftige Vernetzung auf Twitter. So endete ein ereignisreicher Internationaler Museumstag, auf dem wir wieder  einmal für viel positive Öffentlichkeit gesorgt haben.