Gemeinsame Erinnerungen sind manchmal die besten Friedensstifter

… schrieb einst Marcel Proust ins Internet.

Was für ein Jahr! Allerorten erklingt ein Lamento nach dem anderen. Und doch: Es gab sie auch in diesem Jahr, die schönen Augenblicke, berührende Momente und Begegnungen, erhebende Erlebnisse. Und selbstverständlich die Trauer um Menschen, die uns nah waren oder denen wir uns nah fühlten, Menschen, die uns in diesem Jahr verließen. Die Weltlage ist ein Graus und es gibt wenig Grund, dass sich das in Bälde ändern könnte.

Verzagen wir nicht und erinnern wir uns an das, was uns das Jahr allem zum Trotze erhellte. Wir tun dies bis Neujahr unter dem Hashtag #kulturschau. Wer sich inspiriert und eingeladen fühlt, fühle sich frei und mache mit.

Nein, die #kulturschau ist keine Leistungsschau. Es geht nicht um die Besten, Schnellsten und Lautesten. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist kein Ranking. Es geht allein darum, sich zu erinnern und hin und wieder ein „Ach ja, stimmt, das gab’s ja auch!” auszurufen. Und daraus Kraft und Mut zu schöpfen für ein neues Jahr.

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Dreimal Rückblick auf das #sckb16

Über Barcamps muss man sprechen! Denn nur so kann das, was an diesem Tag von allen Beteiligten erschaffen wurde, weitergedacht und auch weitergetragen werden. Da wir Herbergsmütter diesmal wieder alle vollständig anwesend waren, schien es uns angebracht, einen gemeinschaftlichen Beitrag zu schreiben, in dem jede das stARTcamp KölnBonn aus ihrer Sicht schildern darf. Wer sich vorab mal schnell einen Überblick verschaffen möchte: die Bundeskunsthalle hat ein super Storify gemacht.

„Das müssen wir machen!“

Als ich (Wibke) die Mannequin Challenge* der New York Public Library sah, sprang mich flugs die Idee an, dass wir sowas unbedingt beim stARTcamp Köln-Bonn machen müssen. Immerhin  fand das #sckb16 in der Bundeskunsthalle statt. Der zögerliche Anfangsgedanke, wir könnten in einer Session eine typische Barcampsituation nachstellen, wich schnell der kühnen Idee, einen typischen Museumsbesuch zu nehmen – mitten in der laufenden Ausstellung. Nun passierten gleich mehrere verrückte Sachen gleichzeitig: Jutta und das Team der Bundeskunsthalle fanden es super. Und ALLE Teilnehmerinnen und Teilnehmer des stARTcamp Köln-Bonn wollten mitmachen! Irre. Kurzerhand blockten Johannes und Sascha den letzten Zeitslot für eine gemeinsame Abschlusssession. (Wow, guckt Euch an, wieviele ‚s‘ in dieses Wort passen!)

Tweet zur Mannequin Challenge in der Ausstellung Touchdown 21 in der Bundeskunsthalle

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Verbeugen, umarmen, rumkugeln: Das sind die #pantwitterspiele

Am vergangenen Freitag eröffneten wir erstmals die goldigen Bundestwitterspiele im deutschen Nichtsommer aka #pantwitterspiele. Es war ein rauschendes Fest. Binnen zwanzig Minuten war das Hashtag Trending Topic Nummer Eins in Deutschland. Bilder vom Einzug der Athletinnen und Athleten und vom jubelnden Publikum verbreiteten sich und Szenen vom Rande des Stadions wurden geschildert. Nach und nach formte sich eine frei erfundene und improvisierte Eröffnungsfeier, getragen von Menschen, die teilweise zum ersten Mal im digitalen Raum aufeinandertrafen, aufeinander antworteten und sich zu kreativen Höchstleistungen trieben.

Seitdem herrscht ein fröhliches, aufgedrehtes und knallbuntes Miteinander um eine Veranstaltung, die sich aus der Fantasie, Assoziationskraft und Kreativität von Menschen speist: #pantwitterspiele sind das, was wir alle daraus machen.

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#pantwitterspiele: Fünf Fragen, fünf Antworten

Worum geht’s?

Unfug, Schabernack, Quatsch im besten Sinne, die Freiheit im Spiel und nicht zuletzt selbstverständlich nichts Geringeres als den Weltfrieden. Die #pantwitterspiele sind eine nicht-kommerzielle, offene Veranstaltung im digitalen Raum. Weiterlesen

Weltproben: Ich verließ meinen Alltag, um den Alltag zu inszenieren

„In der Mitte des Platzes steht eine grüne Vespa. Über den Platz gehen zwei Männer mit einem Kinderwagen. Einer der Männer trägt eine Wasserflasche.“

Ich sitze am Rande des Wiener Platzes in Köln-Mülheim. Ich trage Funkkopfhörer. Eine Stimme macht mich auf Alltagsszenen aufmerksam. Ich weiß, ich bin Teil einer Theaterperformance im öffentlichen Raum. Ist das, was ich sehe, was die Stimme beschreibt, echt – oder inszeniert? Ich bin angespannt, denn ich habe keine Ahnung, was mich in den nächsten zwei Stunden erwartet.

Weltproben – Eine Versammlung

Drama Köln verzichtet bewusst auf klassische Theaterräume und besetzt für seine Inszenierungen den öffentlichen Raum oder gewerbliche Leerstände. In Weltproben geht es um den Alltag als Simulation, als Reenactment. Die Zuschauer sind zugleich Beobachter und Darsteller. Regisseurin Philine Velhagen dazu im Interview bei Choices: „Mich interessiert daran, im Betrachten des Alltags mit der Welt in Verbindung zu treten. Durch die Beobachtung geht eine Welt hinter der Welt auf, die man vorher nicht gesehen hat.“

Mehr musste ich gar nicht wissen, um mich anzumelden. Per Mail. Auf diesem Wege kamen dann die Instruktionen, wo und wie das Spiel beginnen würde. „Ziehe dich wetterfest an, sei gerüstet.“ Allzuviel möchte ich über den Beginn gar nicht erzählen. Schließlich saß ich am Rande des Wiener Platzes, trug Funkkopfhörer und beobachtete, geleitet von der Stimme aus dem Off, das Geschehen vor Ort.

Ein Platz? Oder ein Theaterraum?

Nur ein Platz? Oder ein Theaterraum?

Wie haben wir das eigentlich gelernt, dieses Sich bewegen im Alltag, dieses Sein im öffentlichen Raum?

Wie haben wir das eigentlich gelernt, dieses Sich bewegen im Alltag, dieses So-Sein im öffentlichen Raum?

Wer meine Mitspieler, wer die anderen Zuschauer waren? Beobachtete ich nur oder wurde ich selbst auch beobachtet? Der selbstverständliche Alltag begann, sich fremd anzufühlen. Ein „Uns“ formte sich, forciert durch Hinweise der Stimmen aus dem Off. Jemand sah uns. Sprach uns auf unser Sitzen, Schreiten, Sein an. Lobte Selbstverständlichkeiten. Der Körper, das Sein, begann, sich fremd anzufühlen.

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Ein Ausflug nach Ostbelgien ins Töpfereimuseum #AppnachRaeren

„Ja, wir werden auch töpfern.“ Yeah! Damit hatte Benjamin mich am Haken.

An einem Samstag im wenig sommerlichen Juni machte sich eine Handvoll Bloggerinnen und Blogger auf den Weg nach Ostbelgien. Wir folgten der Einladung von Benjamin Heinz und dem Töpfereimuseum Raeren.Und dieser Einladung folgte ich gern: Zum einen kenne ich Benjamin als ausgesprochen sympathischen, tatkräftigen und klugen Menschen, dessen Unternehmungen und Gedanken ich interessiert verfolge. Zum anderen interessieren mich Museen im ländlichen Raum und mit etwas anderen Themen. Letztlich hatte ich an dem Tag Zeit. Ein nicht zu unterschätzender Faktor.

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Im Frühtau nach Belgien wir zieh’n, fallera!

Das Grüppchen war eine gute Mischung von Menschen mit unterschiedlichen Blickwinkeln: Mit dabei waren Soledad Sichert/bonntouren.de, Michèle Lichte/bonnentdecken.de, Marc Heckert, Anke und ich, Wibke. Anke hat drüben auf ihrem Blog die App mGuide näher beleuchtet, die wir im Rahmen unserer Bloggerreise getestet haben.

Mit der Bahn fuhr ich von Köln aus nach Aachen. Dort sammelten uns Benjamin und Rolf Kammler ein. Nach Raeren kutschierte uns nämlich der Präsident des Trägervereins höchstpersönlich! Einander halb auf dem Schoß sitzend lernte ich Marc kennen und traf Michèle wieder. Bester Stimmung trafen wir nach kurzer Fahrt den Rest der Gruppe in der Gaststätte Haus Zahlepohl gleich neben der Burg Raeren. Weiterlesen

Wir malen Museen an: Spätlese zum #paintmuseum

Die Aktion #PaintMuseum richtet sich an alle Museen und Museumsbesucher, an alle Kreativen, Fantasten und Dilettanten.
In ganz Deutschland rufen wir dazu auf, während der #imt16-Aktionszeit die liebsten Museumsobjekte digital zu erfassen, den Museumsalltag zu skizzieren oder den eigenen Museumsbesuch mit einem kleinen kreativen Akt anstelle des obligatorischen Kaffees zu beenden.

Das Motto des diesjährigen Internationalen Museumstags war wie für uns gemacht.In den letzten Jahren hatten wir immer mal wieder interaktive Tweetups mit Museen gemacht. 2013 machten wir eine Polonaise durch drei Kölner Museen, bei der die Teilnehmer*innen zu den Begriffen Schönheit, Vergänglichkeit und Zeit Motive sammelten und wir uns auf die Suche nach antiken Helden machten. 2014 verbanden wir Rhein und Ruhr: Im Dortmunder U gingen wir auf #udojagd, schrieben gemeinsam eine Foto-Love-Story, hinterließen als Besucher Spuren im Museum und ließen Fluxus aufleben. Wurden die vier Landarbeiter eigentlich jemals alle gefunden? Von einem weiß ich … Im Museum Ludwig absolvierten wir einen Twitter-Erlebnis-Parcours, dichteten Haikus, sammelten Wörter, Bilder und Videos und trafen uns am Ende mit dem Kunstvermittlungsteam des Museumsdienst Köln zum Werkstattgespräch.

Budenzauber!

In diesem Jahr stand uns der Sinn danach, ganz exklusiv zu dritt im Herbergsmütter-Verbund kreativ zu sein. Wir hatten uns durch viel Rödelei in den letzten Monaten selten gesehen und kaum Gelegenheit, miteinander den Herbergsmüttergeist fliegen zu lassen. Neben dem Bedürfnis, mal wieder nach Herzenlust zu kritzeln, basteln, kleben und malen sprechen wir seit längerem darüber, wie sich Veranstaltungsformate weiterentwickeln können. Damit sind wir nicht allein, sondern etwa mit den Kulturkonsorten oder den Kulturfritzen in guter Gesellschaft. Die Kulturkonsorten experimentieren mit einem AfterWorkCamp vom 27. Juni bis 1. Juli an verschiedenen Veranstaltungsorten.

Und da Basteln und Malen bekanntlich den Geist befreit, nutzten wir die Gelegenheit! 2016-05-23 09.03.23

»Ein Spiel mit ernsten Problemen. Das ist Kunst.«
(Kurt Schwitters)

Am 22. Mai trafen wir uns also bei Anke am Küchentisch. Beim Anmalen von Museen und Malen von Bildern für gute Geister ließ es sich trefflich nachdenken. Weiterlesen

Vom Ich zu Anaïs Nin und wieder zurück: Die digitale Welt als Bühne

Ich gehe in mich, um herauszukommen.“ Anaïs Nin war bis vor wenigen Tagen eine Fremde für mich. Ihr Name war mir bekannt, ja. Einst las ich etwas über sie, aber nur im Zusammenhang mit Henry Miller. Von dem ich wiederum einiges gelesen hatte. Es heißt, Anaïs Nin sei eine Kultfigur für viele Frauen. Das klang mir immer nach zuviel Befindlichkeit und ich wendete mich ab. Wie störend doch solche Etikettierungen sein können.

„Skandalumwitterte Muse“ zieht bei mir viel besser. Damit sprang nämlich Marc Lippuner herbei und wedelte bei den Kulturfritzen mit #ichbinnin. Es geht um DIE MÄNNERSPIELERIN, Anaïs Nin, Theater im Netz und um Selbstinszenierung. Mit der Gestaltung des Ich im digitalen Raum beschäftige ich mich schon seit einer Weile. Dass die Aktion mit dieser Künstlerin quasi wie gerufen kam, offenbarten mir ihre Texte, Fotos und Audioaufnahmen und die Texte über sie.

Das Spiel mit der Inszenierung des Ich

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Kunstpilgern: Resümee und eine Ableitung für Kulturorte

Wie kann man Kultur in den digitalen Raum transportieren und Menschen mit Kreativität, Kunst und Kultur inspirieren? Wie verändern sich Kulturorte durch digitale Kommunikation und wie können sie in Digitalien spiegeln, was sie im Analogen gut machen?

Das sind Fragen, mit denen wir Herbergsmütter uns gemeinsam, aber auch jede für sich in ihrem Geschäftsfeld beschäftigen. Als ich (Wibke) in einem Facebook-Posting bei unserer Kollegenfreundin Kristine Honig-Bock auf das Kunstpilgern stieß, interessierte mich zunächst mal die Aufbereitung. Der Begriff Kunstpilgern machte mich neugierig. Der Link blieb aber dann einige Tage liegen, weil die Seite nur langsam lud und ich mobil mit wenig Netz unterwegs war.

Scrollytelling ist für multimediale Dokumentationen und Reportagen ein reizvolles Instrument. Aber die langen Ladezeiten und die (insbesondere mobil) hakelige Navigation frustrieren bei einem Angebot, über das man sich erstmal einen Überblick verschaffen möchte, bevor man tiefer einsteigen will. Doch mir gefiel, was ich sah und las. Kurzerhand bewarb ich mich daher als Testreisende.

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#Kunstpilgern!

Ein von Wibke Ladwig (@sinnundverstand) gepostetes Video am

Acht Menschen wurden ausgewählt, vier Routen durch NRW zu bereisen und im digitalen Raum darüber zu berichten. Ich zitiere aus meinem Beitrag drüben bei sinnundverstand.net:

Kunstpilgern, das sind vier touristische Routen nach Themen durch Nordrhein-Westfalen: Diesseits, Feste Burg, Licht und Paradies.
Das Projekt ersonnen und umgesetzt haben Jan-Paul Laarmann und Jens Nieweg von 
Tourismus NRW/Kulturkenner.de und Alissa Krusch von der Kunstsammlung NRW. Den Impuls gab die (übrigens famose) Ausstellung The Problem Of God. Christliche Kunst, sakrale Architektur, Volksglauben und Religion an sich als prägendes Element der Gesellschaft und steter Quell der künstlerischen Auseinandersetzung finden sich auf diesen Routen wieder. Daher eben auch #Kunstpilgern.

Im verlinkten Beitrag verweise ich auf die verschiedenen Blickwinkel, aus denen ich in meinen Blogs und hier über das Projekt berichte. Meine Erlebnisse und Eindrücke vor Ort aus Sicht einer Kunstpilgerin beschreibe ich in meinem Denkarium. Hier konzentriere ich mich auf den Umgang der Kulturorte und des Veranstalters mit einer solchen Veranstaltung.

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Kultur zum Anbeißen: Ein Besuch im Currywurstmuseum Berlin

Endlich: Ein Besuch im Currywurstmuseum!

Endlich: Ein Besuch im Currywurstmuseum!

Der Besuch war schon lange fällig. Mit Qwoo, dem Maskottchen des Currywurstmuseums in Berlin, verbindet uns Herbergsmütter schon seit Jahren eine warme Kollegenfreundschaft. Und immerhin durften wir 2012 beim stARTcamp Köln die Pelzwurst und seinen geschätzten Kollegen und Begleiter, Sebastian V., in die Arme schließen. Hurra, wir hatten die kultige Wurst da!

Für den Gegenbesuch brauchte ich (Wibke) eine Weile. Immerhin ist in Berlin immer irgendwas. Aber selten Zeit. Das sollte und musste mal geändert werden. Huhu, Qwoo, da bin ich! Weiterlesen