Alle weißen Raben fliegen hoooch! Das White Ravens Festival – kreativ und mit Liebe gemacht #wrf14

Zufälle sind unvorhergesehene Ereignisse, die einen Sinn haben. (Diogenes von Sinope)

Man tritt durchs Tor von Schloß Blutenburg und findet eine verwunschene Welt. Im Innenhof prächtige Obstbäume, Wiesen und malerische Pfade. Unter den Bäumen ein großes Zelt, Büdchen, Bänke, knallbunte Plakate und flatternde Irgendwasse, die neugierig machen.

Mit Liebe gemalt: Plakate für die Mitmach-Stationen.

Mit Liebe gemalt: Plakate für die Mitmach-Stationen.

Wie aus dem Bilderbuch: Schloß Blutenburg

Wie aus dem Bilderbuch: Schloß Blutenburg

Im Schloß beheimatet ist die Internationale Jugendbibliothek, die alle zwei Jahre das White Ravens Festival für internationale Kinder- und Jugendliteratur veranstaltet. Durch die Förderung durch die Bayerische Sparkassenstiftung war es 2012 möglich, Social Media für das Festival und die Internatonale Jugendbibliothek zu erschließen.

Durch die persönliche, über den Tellerrand hinaus interessierte und sympathische Präsenz des Social-Media-Teams der Internationalen Jugendbibliothek ist die Anteilnahme und Aufmerksamkeit für das Festival hoch. Sowohl Petra als auch Tanja nehmen regelmäßig an stARTcamps teil und sind ein fester Bestandteil der Familie der Kulturbotschafter und Kulturarbeiter im Social Web.

Ende letzten Jahres war ich zuletzt dort, um im Rahmen der internen Tagung Literafutur mit anderen Menschen aus Literatur, Kultur, Games und Digitalisierung auf Literaturausstellungen der Zukunft herumzudenken.

Und dem Social Web sei Dank habe ich dann auch gesehen, dass ich just zum Eröffnungsfest in München sein werde. Und so bekommen Zufälle in der Tat einen Sinn. Hurra, nichts wie hin!

Etwas zermatscht von der Hitze des Tages machte ich mich auf ... #hagebuttenstrauchselfie

Etwas zermatscht von der Hitze des Tages machte ich mich auf … #hagebuttenstrauchselfie

Weit mehr als »nur« Lesungen: Das White Ravens Festival Ich habe eine etwas ambivalente Haltung zu Lesungen. Ja, gut, ich gebe es zu: meist finde ich Lesungen sterbenslangweilig. Nur wenige Autoren sind in der Lage, ihre Geschichten so lebendig und mit Ausdruck zu lesen, wie sie geschrieben sind. Das Publikum dämmert oft nach wenigen Minuten vor sich hin und denkt darüber nach, was es morgen zum Essen geben könnte … Kinder und Jugendliche sind da offenkundig das (gnadenlos) ehrlichere Publikum. Wer sie nicht unterhält oder fesselt, dürfte es schwer haben.

Ich hatte vor, ein, zwei Stündchen zu bleiben. Letztlich saß ich fast den ganzen Sonntag im Lesezelt und habe mir abwechselnd den Bauch gehalten vor Lachen bei den Geschichten vom Cowboy Klaus oder saß berührt und nachdenklich da, wenn etwa Bart Moeyaert seine Familiengeschichten erzählte …

Volles Zelt bei den Geschichten vom Franz.

Volles Zelt bei den Geschichten vom Franz.

Bart Moeyaert zog mit seinen Familiengeschichten alle in Bann, die Kinder wie auch die Erwachsenen.

Bart Moeyaert zog mit seinen Familiengeschichten alle in Bann, die Kinder wie auch die Erwachsenen.

Großes Lob für die Programmgestaltung: es wurde an alle Altersklassen gedacht, alle wurden einbezogen und es waren ausnahmslos Profis da, die ihr Publikum rasch im Griff hatten. Es war kurzweilig, abwechslungsreich und sehr vergnüglich. Und ein Buch kam auch mit …

Das allein wäre also schon ein Grund, das Festival zu besuchen. Aber das Herbergsmütter-Herz klopfte laut vor Begeisterung über die liebevolle, knallbunte Gestaltung und die herrlichen, teils wunderbar schrägen Mitmach-Aktionen für die Kinder im Innenhof. Ich habe nicht ein quengelndes oder unzufriedenes Kind gesehen – und auch die Erwachsenen fühlten sich sichtlich wohl an diesem friedlichen, inspirierenden Ort. Die kreativen Impulse waren außergewöhnlich, von schelmischem Humor und nicht übertrieben pädagogisch. Man konnte unkompliziert zwischen Lesungen und Mitmach-Büdchen tingeln oder auf einer der vielen Bänke Platz nehmen. 

Dichten, Basteln, Malen, Stempeln – und Barbies abmurksen
Man konnte Gedichte stempeln und sich vorher Wörter von einem Baum „pflücken“. Es galt, Buchstaben für ein Wort zu suchen, die mit schwarzen Raben in den Bäumen und in verborgenen Winkeln versteckt waren. In einer Kiste lagen flauschige Zotteln und es wurden eifrig Grüffelos gebastelt. Im Cowboy-Klaus-Parcours galt es, mit entzückenden Wollsocken-Steckenpferdchen hoppsend knifflige Aufgaben zu erfüllen.

In der Räuberwerkstatt lagen Hunderte von ausrangierten Barbies, die … nun, eigentlich sollten es Räuberbarbies werden. Angesichts der Splatter- und Trash-Barbies, die am Ende „online“ auf einer Wäscheleine aufgeknü-, äh, aufgehängt wurden, haben vielleicht der eine Vater oder die andere Mutter nachdenkliche Gesichter ob der Fantasien ihrer lieben Kleinen gemacht …

Malen, Spielen, Basteln, Mitmachen!

Malen, Spielen, Basteln, Mitmachen!

Knallbunte Plakate aus Handarbeit.

Knallbunte Plakate aus Handarbeit.

Hü!

Hü!

Schwarze Raben suchen und Buchstaben sammeln ..

Schwarze Raben suchen und Buchstaben sammeln ..

Und jetzt: ein Gedicht!

Und jetzt: ein Gedicht!

Vom White Ravens Festival können viele Veranstalter lernen, ob es nun um die persönliche, herzblutgetränkte, kluge und professionelle Gestaltung oder um das Ausschöpfen aller Möglichkeiten der Kommunikation geht. Wer mindestens über eine der Lesungen twitterte, bekam übrigens freien Eintritt … Die Atmosphäre war von einer Leichtigkeit und Ungezwungenheit, die ich bisher selten erlebt habe. Und es war lustigerweise ein Treffen mit vielen Bekannten und so mancher Netzwerkknoten wurde enger oder hinzugeknüpft.

Die letzte Lesung fand nun gestern Abend statt. Dem Team wünsche ich von Herzen gute Erholung – und ich gratuliere zu einem abermals sehr gelungenen Festival!

Wer das White Ravens Festival im Web nachlesen und das nächste Mal nicht verpassen möchte, kann dies bei Facebook, Twitter und Pinterest tun. Der Hashtag ist #wrf14.

Verschwitzt, aber glücklich. Eröffnung des dritten White Ravens Festivals (Blogbeitrag der Veranstalter)

Außerdem einen Blick wert: die Dokumentation des White Ravens Festival 2012.

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